Tiere in Kriegsgebieten suchen Schutz in Städten
Studie zeigt: In Tschernobyl zogen Wildtiere während des Krieges in die Nähe von Menschen – entgegen aller Erwartungen.

Kriege sind nicht nur für Menschen eine Katastrophe – sie verändern auch das Verhalten von Wildtieren grundlegend. Eine neue Studie aus der Sperrzone von Tschernobyl in der Ukraine liefert nun seltene Belege dafür, wie bewaffnete Konflikte die Tierwelt umgestalten. Die Forscher untersuchten, wie sich Wildtiere während des Ukraine-Krieges verhielten, und machten eine überraschende Entdeckung: Statt aus den Kampfgebieten zu fliehen, zogen einige Arten – darunter Wölfe und Wildschweine – näher an menschliche Siedlungen heran.
Die Sperrzone von Tschernobyl ist ein 2.600 Quadratkilometer großes Gebiet, das nach der Nuklearkatastrophe von 1986 evakuiert wurde und sich zu einem einzigartigen Wildnisgebiet entwickelt hat. Seit dem Einmarsch russischer Truppen im Februar 2022 wurde die Region jedoch erneut zum Kriegsschauplatz. Die Wissenschaftler nutzten Kamerafallen und GPS-Daten, um die Bewegungen von Tieren wie Hirschen, Elchen, Wölfen und Wildschweinen zu verfolgen. Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild: Während einige Tiere tatsächlich in ruhigere Gebiete abwanderten, suchten andere gezielt die Nähe von Dörfern und Städten auf.
Diese Verhaltensänderung widerspricht der bisherigen Annahme, dass Wildtiere in Kriegsgebieten stets in unberührte, menschenleere Regionen ausweichen. Die Forscher vermuten, dass die Tiere in den Siedlungen Schutz vor der direkten Kampfhandlung suchten – oder dass die menschliche Anwesenheit ihnen unerwartete Vorteile bot, etwa durch Nahrungsquellen oder geringeren Jagddruck. Die Studie, veröffentlicht im Fachjournal "Current Biology", ist eine der ersten, die das Verhalten von Wildtieren während eines aktiven Krieges systematisch dokumentiert.
Die Erkenntnisse sind nicht nur für die Wissenschaft wichtig, sondern auch für den praktischen Artenschutz. In vielen Konfliktregionen der Welt – von Syrien bis zur Demokratischen Republik Kongo – sind Wildtiere durch Kriege bedroht. Bislang fehlten jedoch verlässliche Daten, wie Tiere auf die plötzliche Bedrohung reagieren. Die Studie aus Tschernobyl liefert nun eine Grundlage, um Schutzmaßnahmen besser zu planen: etwa die Einrichtung von Schutzzonen in der Nähe von Siedlungen oder die gezielte Fütterung in Krisenzeiten. Sie zeigt auch, dass Tiere erstaunlich anpassungsfähig sind – selbst unter extremen Bedingungen.
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„Hirsche und Wölfe suchen in Kriegsgebieten Schutz in Dörfern – entgegen aller Erwartungen. Faszinierend, oder?"
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