Euclid-Teleskop entdeckt 100.000 neue Exoplaneten
Das ESA-Teleskop Euclid hat in 26 Stunden 60 Millionen Sterne im Zentrum der Milchstraße fotografiert und könnte die Zahl bekannter Exoplaneten von 6.000 auf über 100.000 steigern.

Das Euclid-Weltraumteleskop der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) hat eine außergewöhnliche Aufnahme des Zentrums unserer Milchstraße gemacht. In 26 Stunden Belichtungszeit fotografierte das Teleskop 60 Millionen Sterne – so viele wie nie zuvor auf einem einzigen Bild. Die Aufnahme zeigt einen Himmelsausschnitt, der etwa so groß ist wie der Vollmond, und offenbart die unglaubliche Dichte an Sternen im galaktischen Zentrum.
Euclid wurde eigentlich gebaut, um Dunkle Materie und Dunkle Energie zu erforschen – zwei unsichtbare Kräfte, die 95 Prozent des Universums ausmachen. Doch das Teleskop eignet sich auch hervorragend für die Suche nach Exoplaneten, also Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. „Es wurde nie für diese Wissenschaft entwickelt“, sagt Dr. Eamonn Kerins, Astrophysiker an der University of Manchester, „aber es hat sich als hervorragendes Werkzeug dafür erwiesen.“
Die Entdeckung der Exoplaneten erfolgt mit der sogenannten Mikrolinsen-Methode. Dabei beobachtet man, wie das Licht eines fernen Sterns durch die Schwerkraft eines näheren Sterns abgelenkt und verstärkt wird – ein Effekt, den Albert Einstein in seiner Allgemeinen Relativitätstheorie vorhersagte. Wenn ein Planet den nahen Stern umkreist, verstärkt seine zusätzliche Schwerkraft den Lichteffekt kurzzeitig. Aus diesen winzigen Helligkeitsschwankungen können Astronomen auf die Existenz des Planeten schließen.
Bisher sind rund 6.000 Exoplaneten bekannt. Euclid könnte diese Zahl auf über 100.000 steigern. „Diese Daten sind der Startschuss für ein neues Zeitalter der Exoplaneten-Forschung“, so Kerins. Jeder neu entdeckte Planet kann dann mit leistungsstärkeren Teleskopen wie dem James-Webb-Weltraumteleskop genauer untersucht werden.
Die Vielfalt der bereits bekannten Exoplaneten ist verblüffend: Es gibt Welten, die fast so groß sind wie ihr Stern, Planeten, die zwei Sonnen umkreisen wie Tatooine aus Star Wars, solche mit ewiger Tag- und Nachtseite, Gasriesen mit der Dichte von Marshmallows, Planeten mit Wolken aus Stein und sogar einen, der wie eine Zitrone geformt ist und Diamanten regnen lässt. Euclid wird diese exotische Sammlung nun um ein Vielfaches erweitern.
Das Teleskop umkreist die Erde in einer Entfernung von 1,5 Millionen Kilometern – am sogenannten zweiten Lagrange-Punkt, den es sich mit dem James-Webb-Teleskop teilt. Euclid wurde 2024 gestartet und liefert bereits jetzt bahnbrechende Daten. Die neuen Aufnahmen sind nicht nur ein wissenschaftlicher Meilenstein, sondern auch ein atemberaubender Blick in das Herz unserer Galaxie.
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