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Tote Organismen prägen Ökosysteme stärker als gedacht

Neue Studie zeigt: Überreste von Bäumen, Korallen und Gräsern beeinflussen Überleben und Wachstum ihrer Artgenossen über Jahrzehnte.

Wenn ein Baum umfällt, beginnt ein neues Leben: Pilze sprießen, Käfer und Ameisen ziehen ein, und die Nährstoffe kehren langsam in den Kreislauf zurück. Doch die Wirkung des Todes reicht weit über diesen bekannten Kreislauf hinaus – das zeigt eine neue Studie, die in der Fachzeitschrift Science Advances veröffentlicht wurde. Die Forscher untersuchten zehn verschiedene Ökosysteme von den Tropen bis zu den Polargebieten und stellten fest: Die Überreste sogenannter „Gründungsarten“ – also Bäume, Korallen, Gräser oder Austern, die das Rückgrat eines Lebensraums bilden – beeinflussen das Überleben und Wachstum ihrer lebenden Artgenossen in fast allen Fällen erheblich.

In neun der zehn untersuchten Ökosysteme fanden die Wissenschaftler deutliche Effekte. Mal halfen die Toten den Lebenden, mal schadeten sie ihnen. So fördern abgestorbene Hemlocktannen in Nordamerika das Wachstum junger Setzlinge, indem sie das Mikroklima um sie herum mildern. In borealen Wäldern, also den nördlichen Nadelwäldern, sorgt das Stehenlassen verkohlter Baumgerippe nach einem Waldbrand für eine höhere Samendichte im Boden. Umgekehrt beschleunigen abgestorbene Korallen, die durch Hitzewellen im Meer abgestorben sind, den Niedergang ihrer noch lebenden Verwandten: Auf ihren Skeletten siedeln sich Algen an, die mit den Korallen konkurrieren.

Die Studie ist die erste ihrer Art, die solche Zusammenhänge auf kontinentaler Ebene systematisch erfasst. „Es ist ein überraschend häufiges Muster“, sagt Hauptautor Kai Kopecky von der University of Colorado Boulder. Die Forscher nutzten Daten aus dem Langzeit-Ökologischen Forschungsnetzwerk der US-Wissenschaftsstiftung NSF, das über Jahrzehnte Daten an verschiedenen Standorten in den USA sammelt. Dieses Netzwerk stand zuletzt unter Druck, weil die Trump-Administration die Mittel für Wissenschaft drastisch kürzen wollte – ein Umstand, den der nicht an der Studie beteiligte Princeton-Professor Andrew Dobson als alarmierend bezeichnet: „Zu verstehen, wie die Natur funktioniert, ist überlebenswichtig.“

Die Erkenntnisse könnten praktische Anwendungen haben. Schon heute nutzen Naturschützer ähnliche Prinzipien: Nach Baggerarbeiten werden etwa Austernschalen auf beschädigte Riffe gebracht, um neues Wachstum zu fördern. In den Graslandschaften Nordamerikas werden kontrollierte Brände eingesetzt, um abgestorbenes Gras zu entfernen, das junge Triebe blockiert. Kopecky hofft, dass die Studie den Weg zu einer Art Baukasten ebnet, mit dem sich vorhersagen lässt, wie sich tote Überreste in verschiedenen Ökosystemen auswirken – besonders wichtig angesichts des Klimawandels, der Stürme, Hitzewellen und Brände häufiger macht. „Die Überreste von Gründungsarten zu manipulieren, könnte eine sehr natürliche Art des Eingreifens sein“, sagt er.

Die einzige Ausnahme in der Studie war ein riesiger Kelpwald – ein Unterwasserwald aus riesigen Braunalgen. Dort spülen die Wellen die abgestorbenen Algen einfach weg, sodass kaum Überreste zurückbleiben. Für Kopecky wirft die Studie mehr Fragen auf, als sie beantwortet: Wie verändern sich die Effekte im Laufe der Zeit? Sind sie überall in einem Ökosystem gleich? Er sucht bereits nach Fördermitteln, um die Forschung fortzusetzen. „Das wird wahrscheinlich eine wichtigere Sache, der wir Aufmerksamkeit schenken sollten – besonders im Licht des Klimawandels.“

Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.

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„Tote Bäume helfen neuen Bäumen beim Wachsen – und tote Korallen schaden den lebenden. Klingt verrückt, ist aber Wissenschaft."

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