Warum Mücken manche Menschen mehr lieben
Forscher identifizieren 27 Duftstoffe, die Mücken anlocken – ein Pilzalkohol auf der Haut ist der Hauptgrund.

Mücken stechen nicht wahllos. Sie durchlaufen einen mehrstufigen Suchprozess, der mit dem ausgeatmeten Kohlendioxid beginnt – aus Dutzenden Metern Entfernung erkennen sie das Signal und fliegen los. Innerhalb von etwa zehn Metern kommen Gerüche hinzu, die die Anziehung verstärken. Ganz nah spielen dann Körperwärme und Feuchtigkeit eine Rolle. Das erklären Forscher um Rickard Ignell von der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften.
Das Team untersuchte, welche der 300 bis 1.000 verschiedenen Duftstoffe, die Menschen absondern, für die Gelbfiebermücke Aedes aegypti besonders attraktiv sind. In einem Laborversuch mit 42 Frauen identifizierten sie 27 Schlüsselstoffe. Der wichtigste davon ist 1-Octen-3-ol, auch Pilzalkohol genannt, der beim Abbau von Hauttalg entsteht. Frauen, die besonders viele Mücken anzogen – darunter Schwangere im zweiten Trimester – produzierten deutlich mehr davon. „Schon ein kleiner Anstieg dieser Substanz machte einen Unterschied“, sagt Ignell.
Die Studie räumt auch mit Mythen auf: Die Blutgruppe hat laut den Forschern keinen wissenschaftlich belegten Einfluss auf die Mückenanziehung. Hautfarbe, Augenfarbe und Haarfarbe spielen ebenfalls keine Rolle. Entscheidend ist dagegen die mikrobielle Gemeinschaft auf der Haut. „Eine Suppe von Molekülen, die von unserer Mikrobiota produziert wird, ist mehr oder weniger anziehend für Mücken“, erklärt Frederic Simard vom französischen Institut für Entwicklungsforschung.
Ein weiterer überraschender Faktor: Bier. Alkohol erhöht die Körpertemperatur, die ausgeatmete CO2-Menge und verändert den Hautgeruch – drei Signale, die Mücken verfolgen. Eine Studie in Burkina Faso zeigte, dass die Malaria-übertragende Anopheles-Mücke Biertrinker bevorzugt. Eine niederländische Studie mit 465 Freiwilligen ergab, dass Menschen, die in den letzten 24 Stunden Bier getrunken hatten, 1,35-mal attraktiver für weibliche Anopheles-Mücken waren.
Die Forschung gewinnt an Dringlichkeit, weil der Klimawandel krankheitsübertragende Mückenarten in neue Gebiete treibt. Die Tigermücke, Überträgerin des Chikungunya-Virus, hat sich in Europa weit nach Norden ausgebreitet; letztes Jahr erreichte Chikungunya erstmals die französische Region Elsass. „Dieses Risiko betrifft immer mehr Menschen“, sagt Simard. Die neuen Erkenntnisse über die anziehenden Duftstoffe könnten zu wirksameren Mückenschutzmitteln führen und helfen, besonders gefährdete Personen zu identifizieren. Bis dahin bleibt der Rat: lockere Kleidung, Moskitonetze, Repellent, leichte Mahlzeiten und weniger Alkohol, wenn Mücken aktiv sind.
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„Wusstest du, dass Mücken nicht zufällig stechen? Ein Pilzalkohol auf der Haut macht manche Menschen zum Magnet. Forscher haben jetzt die genauen Duftstoffe identifiziert."
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