WHO-Pandemieabkommen: Letzter Schritt für gerechten Zugang
Das Pathogen Access and Benefit-Sharing Annex soll faire Verteilung von Impfstoffen sichern – Verhandlungen im Juli 2025.

Die Welt hat aus der COVID-19-Pandemie gelernt – und handelt. Vor etwas mehr als einem Jahr einigten sich die Mitgliedsstaaten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf ein Pandemieabkommen. Es soll sicherstellen, dass die Welt beim nächsten Ausbruch besser vorbereitet ist. Doch ein entscheidendes Stück fehlt noch: der sogenannte Pathogen Access and Benefit-Sharing Annex (PABS). Dieser Anhang regelt, wie Länder ihre Erregerproben teilen und gleichzeitig fair an den daraus entwickelten Impfstoffen und Medikamenten beteiligt werden.
Die Idee dahinter ist einfach: Wenn ein Land einen gefährlichen Erreger entdeckt und seine genetischen Daten schnell mit der Welt teilt, müssen die daraus entstehenden Impfstoffe auch in diesem Land ankommen. Bisher wurde das oft improvisiert – mit dem Ergebnis, dass ärmere Länder bei der letzten Pandemie leer ausgingen. Der PABS-Anhang soll das ändern: Er schafft klare, vorhersehbare Regeln, die sowohl den Zugang zu Erregern als auch die Verteilung von Impfstoffen fair gestalten.
Die Verhandlungen stocken jedoch an einigen Punkten. Besonders schwierig ist die Frage, wie die Vorteile definiert und geteilt werden, wer das System kontrolliert und wie Gerechtigkeit garantiert werden kann. Die letzte Verhandlungsrunde im Mai 2025 brachte Fortschritte, aber keine Einigung. Nun treffen sich die Unterhändler vom 6. bis 17. Juli 2025 erneut – und die Zeit drängt. Wissenschaftler schätzen die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Pandemie im nächsten Jahrzehnt auf etwa 25 Prozent.
Ein offener Brief führender Gesundheitsorganisationen aus Genf und Brasília appelliert nun an die Staats- und Regierungschefs der G7, G20, BRICS und aller Nationen. Sie fordern drei Dinge: politischen Willen auf höchster Ebene, einen Geist der Fairness und ein Gefühl der Dringlichkeit. Der Brief erinnert an die bis zu 20 Millionen Toten der letzten Pandemie und die wirtschaftlichen Verluste von über 13 Billionen US-Dollar. Die Botschaft ist klar: Der Juli 2025 muss die letzte Verhandlungsrunde sein.
Das Abkommen selbst greift nicht in die nationale Souveränität ein – das stellt Artikel 22 klar. Kein Land muss Lockdowns oder Impfpflichten übernehmen. Es geht um Kooperation, nicht um Bevormundung. Die Welt hat schon einmal gezeigt, dass sie gemeinsam Großes erreichen kann: Die Ausrottung der Pocken, die Eindämmung von Polio, HIV und Malaria. Das Pandemieabkommen ist der nächste Schritt in dieser Tradition. Es liegt jetzt in den Händen der Staatschefs, ob das Versprechen von 2024 eingelöst wird.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
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„Stell dir vor, die Welt hätte einen Plan für die nächste Pandemie – mit fairem Zugang zu Impfstoffen für alle. Genau das wird gerade verhandelt."
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