Amtrak bekommt sein größtes Zug-Update seit Jahrzehnten
Amtrak tauscht mit 8 Milliarden Dollar veraltete Züge gegen neue, sauberere Modelle aus – zuerst im Nordwesten der USA, später in vielen weiteren Bundesstaaten.
Wer regelmäßig mit Amtrak zwischen Seattle, Portland und Vancouver pendelt, kennt einen Nebeneffekt: Man fährt oft an Autos vorbei, die auf der parallelen Autobahn im Stau stehen. Was der Zug an Fahrzeit noch nicht immer gewinnt – die Strecke Seattle–Portland dauert mit dem Zug wie mit dem Auto etwa dreieinhalb Stunden, trotz sechs Zwischenhalten –, macht sie an Komfort und Aussicht wett. Nur ist die eingesetzte Zugtechnik vielerorts veraltet: Manche Amtrak-Wagen stammen noch aus den 1970er-Jahren.
Das soll sich jetzt ändern. Ab diesem Herbst beginnt Amtrak mit der Auslieferung von 83 neuen Zügen des Typs „Airo“, zunächst acht Stück auf der Cascades-Route im Nordwesten der USA. Langfristig sollen die neuen Züge mehr als ein Dutzend Strecken bedienen, unter anderem in Neuengland, Pennsylvania und weiten Teilen der Ostküste. Finanziert wird die 8-Milliarden-Dollar-Investition größtenteils aus dem historischen 66-Milliarden-Dollar-Infrastrukturpaket, das unter Präsident Biden für den Bahn- und Güterverkehr beschlossen wurde; im August kamen zusätzlich 3 Milliarden Dollar an Bundesmitteln hinzu, darunter 2 Milliarden Dollar gezielt für neue Züge.
Die neuen Airo-Züge fahren bis zu 200 Kilometer pro Stunde, bieten auf der Cascades-Strecke Platz für 317 Fahrgäste – deutlich mehr als die bisherigen Wagen – und sollen Zuverlässigkeit sowie Komfort spürbar verbessern. Gebaut werden sie in den USA vom Hersteller Siemens und können sowohl elektrisch als auch mit Diesel fahren, wodurch sie auf elektrifizierten und nicht-elektrifizierten Strecken gleichermaßen einsetzbar sind. Auf der Nordostkorridor-Strecke etwa können Fahrgäste künftig ohne Lokwechsel zwischen Diesel- und Elektrobetrieb wechseln – bislang mussten sie dafür teils eine Stunde Wartezeit am Bahnhof in Washington, D.C. einplanen. Die Lokomotiven erfüllen zudem die strengsten US-Abgasnormen für Zugmotoren und stoßen deutlich weniger Feinstaub und Stickoxide aus.
Bahnreisen gehören ohnehin zu den klimafreundlichsten Verkehrsmitteln: Weltweit befördert die Schiene 8 Prozent aller Reisenden, verbraucht dabei aber nur 2 Prozent der Energie im globalen Transportsektor. „Wenn man einen gut ausgelasteten Zugwaggon hat, ist das effizienter, als wenn jeder einzeln fährt – selbst mit Elektroautos“, sagt der Lieferkettenforscher Alex Scott von der University of Tennessee. Trotz zweier aufeinanderfolgender Rekordjahre bei den Fahrgastzahlen plant die US-Regierung unter Präsident Trump gleichzeitig deutliche Kürzungen bei der Bahnförderung – die neuen Züge kommen also in einem politisch unsicheren Umfeld für die Zukunft der amerikanischen Bahn.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
So erzählst du es weiter
„Amtrak tauscht gerade landesweit jahrzehntealte Züge gegen neue, schnellere und sauberere Modelle aus – 8 Milliarden Dollar schwer."
Magst du solche Geschichten?
Hol dir jeden Morgen eine — kuratiert, belegt, werbefrei. Kein Doomscrolling.
Weiteres aus innovation
Armenien öffnet Bahnverbindung in die Türkei und EU
Nach 32 Jahren Eiszeit erhält Armenien direkten Schienenanschluss an europäische Märkte
KI entlastet Ärzte: Heidi spart Stunden bei Dokumentation
Australisches Start-up expandiert nach Deutschland und automatisiert Arzt-Patienten-Gespräche
Xpeng startet Serienproduktion von Robotaxis in China
Erstes chinesisches Unternehmen beginnt mit der Massenfertigung autonomer Taxis