Neuer Impfstoff schützt vor tödlichem Durchfall-Keim
Ein Impfstoff-Test zeigte 89 Prozent Schutz vor einem Durchfall-Keim, der jährlich eine Million Menschen tötet, halb davon Kinder.
Mehr als eine Million Menschen sterben jedes Jahr an einer Durchfallerkrankung, die kaum öffentliche Aufmerksamkeit bekommt – fast die Hälfte von ihnen sind Kinder unter fünf Jahren. Verantwortlich ist häufig das Bakterium Shigella, das sich über verschmutztes Wasser und Essen verbreitet und blutigen Durchfall, Fieber und starke Bauchschmerzen auslöst. Forschende sprechen von einem „Kot-Tabu“: Über Durchfallerkrankungen zu sprechen ist unangenehmer als über andere tödliche Krankheiten ähnlichen Ausmaßes, was jahrzehntelang Forschungsgelder und Aufmerksamkeit gekostet hat. Das ist mit ein Grund, warum es trotz mehr als hundert Jahren Forschung bislang keinen zugelassenen Impfstoff gegen die von Shigella verursachte Krankheit Shigellose gibt. Eine im Sommer im Fachjournal The Lancet Infectious Diseases veröffentlichte Studie könnte das ändern. Der Impfstoffkandidat WRSs2 zeigte eine Wirksamkeit von 89 Prozent gegen die Bakterienart Shigella sonnei – „der beste Wert, den wir je gesehen haben“, sagt die Infektiologin Kawsar Talaat von der Johns-Hopkins-Universität. Entwickelt wurde der Impfstoff am Walter Reed Army Institute of Research und getestet an 108 erwachsenen Freiwilligen in Cincinnati und Atlanta. Die eine Hälfte bekam zwei Dosen des abgeschwächten Bakteriums zum Schlucken, die andere Hälfte Salzwasser, und anschließend wurden alle Testpersonen absichtlich dem echten Erreger ausgesetzt, um die Schutzwirkung direkt zu messen. In der Placebo-Gruppe erkrankten 81 Prozent, in der geimpften Gruppe nur ein Bruchteil – daraus ergibt sich der Wert von 89 Prozent Wirksamkeit. Der bisher beste Kandidat hatte nur 74 Prozent Wirksamkeit bei jungen Erwachsenen erreicht und bot kleinen Kindern gar keinen Schutz. Nebenwirkungen traten auf – mehr als die Hälfte der Geimpften hatte Kopfschmerzen, rund 45 Prozent leichten Durchfall durch die Impfung selbst –, aber niemand musste ins Krankenhaus. Besonders dringlich wird die Suche nach einem Impfstoff, weil die üblichen Antibiotika gegen den Erreger vielerorts nicht mehr zuverlässig wirken: In manchen Regionen Südasiens hilft selbst das Reserve-Antibiotikum Ceftriaxon nicht mehr. Ein Impfstoff, der eine Infektion von vornherein verhindert, würde gleichzeitig den Antibiotika-Einsatz senken und so der Entstehung weiterer Resistenzen entgegenwirken. Die Studie hat allerdings klare Grenzen: Getestet wurde bislang nur an gesunden Erwachsenen in den USA, nicht an Kindern in Ländern mit schlechter Wasserversorgung und schwachen Gesundheitssystemen, wo die Krankheit am häufigsten tödlich verläuft. „Es ist eine kleine Studie, und es ist nur die Altersgruppe der Erwachsenen“, räumt der Tropenmediziner Jahangir Hossain ein, der seit drei Jahrzehnten Shigella-Patienten behandelt. Der nächste Schritt muss deshalb eine Testreihe an Kindern ab einem Jahr in genau den Ländern sein, in denen die Krankheit heute noch zum Alltag gehört – erst dann zeigt sich, ob der Erfolg dort Bestand hat.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
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„Gegen einen Durchfall-Keim, der jährlich eine Million Menschen tötet, gab es 100 Jahre keinen Impfstoff. Ein neuer Kandidat zeigte jetzt 89 Prozent Schutz."
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