WHO und Brasilien fordern finalen Pandemievertrag
Ein fehlender Anhang blockiert das Abkommen – Verhandlungen im Juli sollen die Lücke schließen.

Die Welt hat aus COVID-19 gelernt – aber noch nicht genug. Das ist der Kern eines dringenden Appells, den WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus und Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva am Montag veröffentlichten. Gemeinsam rufen sie die Staats- und Regierungschefs der Welt auf, die Verhandlungen über ein internationales Pandemie-Abkommen endlich abzuschließen.
Das Abkommen selbst wurde vor über einem Jahr von den Mitgliedsstaaten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) angenommen. Es soll sicherstellen, dass die Welt bei der nächsten Pandemie besser vorbereitet ist – mit schnelleren Warnsystemen, gemeinsamen Forschungsanstrengungen und einer gerechteren Verteilung von Impfstoffen und Medikamenten. Doch ein entscheidender Teil fehlt noch: der sogenannte Pathogen Access and Benefit-Sharing-Anhang, kurz PABS.
Dieser Anhang regelt, wie Länder genetische Informationen von gefährlichen Erregern teilen und wie die daraus entwickelten Impfstoffe und Behandlungen gerecht verteilt werden. Ohne ihn kann das gesamte Abkommen nicht in Kraft treten. „In einer gespaltenen Welt war die Annahme des Abkommens ein Akt der Hoffnung und des Vertrauens ineinander“, schreiben Tedros und Lula. „Diese Hoffnung ist noch nicht erfüllt – und es liegt in Ihrer Hand, sie zu erfüllen.“
Die Verhandlungen über den PABS-Anhang stocken vor allem bei der Frage, wie die Vorteile aus geteilten Erregerdaten fair verteilt werden können. Wer schnell Proben und Daten teilt, muss darauf vertrauen können, dass die daraus resultierenden Impfstoffe auch in seinem Land ankommen. Bisher fehlen klare, verbindliche Regeln – stattdessen herrscht ein von Krise zu Krise improvisiertes System.
Die Verhandlungsführer treffen sich vom 6. bis 17. Juli erneut, um die letzten Hürden zu überwinden. Der Brief richtet drei konkrete Forderungen an die Staatschefs: politischen Willen auf höchster Ebene, einen Geist der Fairness und ein echtes Gefühl der Dringlichkeit. Denn die nächste Pandemie ist keine Frage des Ob, sondern des Wann. Wissenschaftler schätzen die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Pandemie innerhalb des nächsten Jahrzehnts auf fast 25 Prozent.
Die COVID-19-Pandemie forderte bis zu 20 Millionen Todesopfer und verursachte einen wirtschaftlichen Schaden von 13 Billionen US-Dollar. Im Vergleich dazu, so der Brief, seien die Investitionen in Früherkennung und ein gemeinsames Reaktionssystem wie den PABS-Anhang bescheiden. „Dieses Abkommen zu vollenden, ist kein Bruch mit der Geschichte“, heißt es. „Es ist ihr natürliches nächstes Kapitel – und es ist in Reichweite.“
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„Stell dir vor, die nächste Pandemie kommt – und diesmal sind alle Länder vorbereitet und teilen Impfstoffe gerecht. Genau das soll ein neuer Vertrag erreichen."
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