Ausgestorbene Tiere kehren in den Regenwald von Rio zurück
Refauna-Projekt bringt seit 2008 Nagetiere, Affen, Schildkröten und jetzt Aras in den Tijuca-Nationalpark zurück.

Der Tijuca-Nationalpark in den Hügeln von Rio de Janeiro ist ein grünes Paradies – aber eines, das lange Zeit still war. Zwar stehen die Bäume, doch viele Tiere fehlen. Dieses Phänomen nennen Fachleute 'Empty Forest Syndrome': ein Wald, der von außen intakt wirkt, in dem aber die Tiere verschwunden sind, die für die Verbreitung von Samen und damit für die Regeneration des Waldes unverzichtbar sind.
Die Biologin Alexandra Pires erlebte das 2008 hautnah, als sie ihre Doktorarbeit über Agutis – große, guinea pigsähnliche Nagetiere – abschloss. Sie erfuhr von einem Forscher im Nationalpark, dass diese Tiere dort längst ausgestorben waren. Der Beweis: Die Samen des 'Aguti-Baums' (Joannesia princeps) lagen unberührt auf dem Waldboden und verrotteten, weil niemand sie mehr fraß und verteilte. 'Wie kann es im Tijuca-Nationalpark keine Agutis geben?', erinnert sich Pires. Der Forscher antwortete: 'Ich denke, du solltest dort ein paar Agutis aussetzen!'
Aus dieser Idee wurde das Projekt Refauna, dessen wissenschaftliche Leitung Pires heute innehat. Mit Unterstützung der brasilianischen Regierung – genauer gesagt des Chico-Mendes-Instituts für Biodiversitätsschutz (ICMBio) – begann das Team, den Wald systematisch wieder mit Tieren zu besiedeln. Achtzehn Jahre später können Besucher des Parks wieder Rotbürzel-Agutis (Dasyprocta leporina), Braune Brüllaffen (Alouatta guariba) und Gelbfuß-Schildkröten (Chelonoidis denticulata) beobachten.
Anfang Januar 2025 feierte das Projekt einen weiteren Meilenstein: Die Blau-Gelb-Aras (Ara ararauna) kehrten zurück. Diese farbenprächtigen Papageien waren in Rio de Janeiro seit 200 Jahren ausgestorben – nun fliegen sie wieder über der Stadt. Die Wiederansiedlung ist nicht nur ein symbolischer Erfolg, sondern ein aktiver Beitrag zur Rettung des Ökosystems. Jede dieser Tierarten erfüllt eine spezifische Aufgabe: Agutis vergraben Samen und helfen so bei der Aufforstung, Affen verbreiten Früchte über weite Strecken, und Aras tragen zur Bestäubung bei.
Das Refauna-Projekt zeigt, dass Artenschutz auch in unmittelbarer Nähe einer Millionenmetropole möglich ist. Es ist ein Beispiel dafür, wie gezielte Wiederansiedlung das 'Empty Forest Syndrome' überwinden kann – und wie ein Wald wieder zum Leben erwacht, wenn man ihm die Tiere zurückgibt, die in ihn gehören.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
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„Stell dir vor: Ein Wald, der aussieht wie ein Dschungel, aber völlig still ist – weil alle Tiere fehlen. In Rio wird das jetzt geändert."
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