Bluttest erkennt Zell-Alter und Krankheitsrisiko
Stanford-Forscher bestimmen biologisches Alter einzelner Zelltypen – Risiko für Alzheimer und ALS früh erkennbar.

Unser Körper altert nicht gleichmäßig. Während manche Organe und Zellen jung bleiben, können andere schneller altern – und das beeinflusst unser Krankheitsrisiko. Ein Forschungsteam der Stanford University hat nun einen Bluttest entwickelt, der das biologische Alter einzelner Zelltypen sichtbar macht. Die Forscher um den Neurowissenschaftler Tony Wyss-Coray analysierten Blutproben von über 60.000 Menschen und bestimmten die Konzentrationen von mehr als 7000 Proteinen. Mithilfe von Daten aus Einzelzellanalysen ordneten sie diese Proteine mehr als 40 verschiedenen Zelltypen zu – darunter Neurone, Astrozyten, Immunzellen und Muskelzellen.
Ein Machine-Learning-Modell berechnete für jede Zellpopulation ein biologisches Alter und verglich es mit altersüblichen Referenzwerten. Dabei zeigte sich: Zwischen 20 und 25 Prozent der Teilnehmenden wiesen in mindestens einem Zelltyp ein beschleunigtes Altern auf. Diese zelltypspezifischen Alterungsmuster standen in engem Zusammenhang mit späteren Krankheiten. Besonders deutlich war der Effekt bei neurodegenerativen Erkrankungen: Für Alzheimer erwies sich das biologische Alter der Astrozyten – sternförmige Stützzellen im Gehirn – als stärkster Vorhersagefaktor. Personen mit stark gealterten Astrozyten erkrankten etwa zwölfmal häufiger als Menschen mit einem jungen Astrozytenprofil. Umgekehrt senkte ein jugendliches Profil das Risiko um mehr als 60 Prozent.
Auch bei anderen Krankheiten zeigten sich deutliche Effekte. Menschen mit gealterten Muskelzellen hatten ein mehr als zwölfmal höheres Risiko, an Amyotropher Lateralsklerose (ALS) zu erkranken – ein Signal, das sich bereits mehr als drei Jahre vor der Diagnose nachweisen ließ. Die Studie, veröffentlicht in „Nature Medicine“, erweitert frühere Arbeiten der Forscher zum biologischen Alter von Organen um eine feinere Perspektive. Sie zeigt, dass sich Unterschiede im Alterungsprozess bereits innerhalb von Organen herausbilden und Krankheitsverläufe prägen. Nach Einschätzung der Forschenden könnte das helfen, Gesundheitsrisiken früher zu erkennen und gezielter einzugreifen, bevor Symptome auftreten.
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