Bunter Bus bringt Bücher zu Kindern im kriegsversehrten Syrien
Ein umgebauter Bus bringt Bücher, Kunst und Puppentheater zu Kindern in Syriens Kriegsgebieten – für viele ist es ihr erstes eigenes Buch.

In den Dörfern und Flüchtlingslagern der nordsyrischen Provinz Idlib ist der Alltag vieler Kinder seit Jahren von Flucht, Angst und Mangel geprägt. Schulen wurden zerstört oder beschädigt, Bibliotheken und Gemeindezentren mussten schließen, Familien sind immer wieder umgezogen. Kulturelle Angebote gelten in dieser Lage schnell als Luxus, für den weder Zeit noch Geld bleibt.
Genau hier setzt eine Initiative des syrischen Kulturministeriums an, unterstützt von einer Gruppe Freiwilliger: der „Mobile Kulturbus“. Ein alter, gespendeter Bus wurde von den Freiwilligen instand gesetzt und bunt bemalt. Heute transportiert er Romane und Kurzgeschichten für Kinder und Erwachsene ebenso wie Lernmaterial, Malzubehör und Bastelsachen. Kommt der Bus in einem Dorf oder Lager an, verbringt das Team meist mehrere Stunden dort: Es beginnt häufig mit gemeinsamem Geschichtenerzählen, es folgen Malen, Basteln oder Lesen, und am Ende steht oft eine kleine Puppentheater-Vorführung.
„Uns wurde klar, dass viele Kinder noch nie eine Bibliothek von innen gesehen hatten“, sagt Projektleiter Mohammad Murad. „Wenn sie nicht zur Kultur kommen können, bringen wir die Kultur eben zu ihnen.“ Die freiwillige Lehrerin Sarah al-Khatib beschreibt, wie sich die Stimmung beim Eintreffen des Busses verändert: Viele Kinder hätten jahrelang unter der Angst vor Bombardierungen gelebt, doch sobald der Bus ankomme, verwandle sich die Atmosphäre – Lachen und Freude kehrten für ein paar Stunden zurück.
Für den zwölfjährigen Walid al-Samahi aus der Provinz Damaskus, der Science-Fiction-Geschichten liebt, sich Bücher aber nicht leisten kann, ist der Besuch des Busses eine der wenigen Gelegenheiten, in eine andere Welt einzutauchen. Er erzählt, es sei das erste Mal gewesen, dass er ein Buch mit so vielen Bildern und Geschichten in den Händen gehalten habe – und dass er später selbst Lehrer werden möchte, um anderen Kindern Bücher zu schenken.
Nach Angaben des Projektteams hat der Bus inzwischen Dutzende Orte erreicht und in seiner ersten Phase rund 39 Regionen rund um Damaskus abgedeckt, bevor er auf weitere Provinzen wie Homs ausgeweitet wurde – insgesamt sollen bereits Tausende Kinder erreicht worden sein. Zwei Busse sind mittlerweile im Einsatz, doch die Nachfrage übersteigt weiterhin bei Weitem die Kapazitäten: Laut Unicef sind mehr als 2,5 Millionen syrische Kinder ohne Schulbesuch, fast 8.000 Schulen müssten dringend saniert werden.
Der Bus kann diese riesige Lücke nicht schließen. Er kann keine Schule wiederaufbauen und keine verlorenen Lehrkräfte ersetzen. Aber er erreicht Kinder, die sonst komplett von Bildung und Kultur abgeschnitten wären, und erinnert sie daran, dass sie fragen, gestalten, laut lachen und sich eine Zukunft vorstellen dürfen, die nicht nur aus Verlust besteht.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
So erzählst du es weiter
„Ein bunt bemalter Bus fährt durch Syriens Kriegsgebiete – mit Büchern, Malstiften und einem Puppentheater im Gepäck. Für viele Kinder ist es die erste Bibliothek ihres Lebens."
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