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DDR-Künstlerin Gabriele Stötzer erhält späte Anerkennung

Die 73-Jährige bekommt den renommierten Goslarer Kaiserring für ihr feministisches Lebenswerk.

Gabriele Stötzer, 1953 in Gotha geboren, wurde 1976 von der Pädagogischen Hochschule exmatrikuliert, weil sie sich mit einem Kommilitonen solidarisiert hatte, der Redefreiheit forderte. Zudem unterschrieb sie den Protest gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann. Prompt wurde sie verhaftet, verweigerte Nahrung, wurde zwangsernährt und wegen „Staatsverleugnung“ zu Haft im berüchtigten DDR-Frauengefängnis Hoheneck verurteilt. Dort, unter extremen Bedingungen, begann sie zu schreiben und zu zeichnen. „Im Knast habe ich all das über Frauen gelernt, was meine Mutter mir nicht erzählt hat“, sagt sie. Nach der Haft wurde der weibliche Körper zu ihrem zentralen Thema. Ihre Filme, Fotos und Zeichnungen zeigen performative Rollenspiele, ekstatische Tänze und surreale Sequenzen – radikale feministische Kunst, die gesellschaftliche und politische Strukturen hinterfragt. Lange blieb Stötzer von großen Biennalen oder der Documenta unbeachtet. Nun, mit 73 Jahren, erhält sie späte Anerkennung: Im Oktober wird ihr der undotierte, aber prestigeträchtige Goslarer Kaiserring verliehen. Die Auszeichnung würdigt ihr mutiges, visionäres Lebenswerk, das weibliche Körperbilder gegen politischen Machtmissbrauch einsetzt. Zeitgleich zeigt der Berliner Gropius Bau ihre erste große museale Schau unter dem Titel „Dabei sein und nicht schweigen“. Die Ausstellung umfasst 1000 Quadratmeter und präsentiert Werke aus den späten 1970er- und 1980er-Jahren bis zum Mauerfall. Stötzer selbst sagt: „Die Kunst war mein Überlebenselixier. Um die Haft zu überstehen, musst du Hoffnung zulassen, Freundschaft, Solidarität. Du musst teilen können, dich einfügen, aber auch ohne Angst Haltung zeigen.“

Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.

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„Stell dir vor, du wirst wegen deiner Meinung eingesperrt und beginnst im Knast zu malen – und 50 Jahre später bekommst du einen der wichtigsten Kunstpreise Deutschlands."

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