Erste Piratenschiffe aus der Karibik entdeckt und gefilmt
Sechs Wracks in Nassau geben Einblick in das Leben der Freibeuter des 18. Jahrhunderts

Die Karibik war im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert das Zentrum der weltweiten Piraterie. Berühmte Namen wie Blackbeard, Calico Jack Rackham oder Anne Bonny machten die Insel New Providence mit ihrem Hafen Nassau zu ihrem Stützpunkt. Dort planten sie ihre Überfälle, teilten die Beute und feierten ausgelassen. Doch obwohl Hollywood diese Ära immer wieder aufgreift, wusste man bisher kaum, wie die Piraten wirklich lebten – denn keines ihrer Schiffe war je in ihren Heimatgewässern gefunden worden.
Das hat sich nun geändert. Ein Team aus Meeresarchäologen und Filmemachern hat erstmals die Erlaubnis erhalten, in der gesperrten Zone des Hafens von Nassau zu tauchen. Dabei entdeckten sie insgesamt sechs Wracks, von denen drei eindeutig aus der sogenannten Goldenen Ära der Piraterie stammen – der Zeit zwischen 1690 und 1720. Die Forscher fanden eiserne Kanonen, einen Schleifstein zum Schärfen von Schwertern und Bleikugeln für Musketen. Besonders auffällig: Ein Schiff war bis zur Wasserlinie verbrannt – eine typische Taktik von Piraten, um ihre Verbrechen zu vertuschen.
Die Entdeckung ist nicht nur archäologisch bedeutsam, sondern auch filmisch. Die Expedition wurde von Wreckwatch TV begleitet, einer Produktionsfirma für Unterwasser-Dokumentationen. Ab Juni 2026 soll eine Serie ausgestrahlt werden, die die Funde zeigt und erstmals ein digitales 3D-Modell von Nassaus Piratenstadt um das Jahr 1715 präsentiert. „Dank Hollywood liebt jeder die Legende“, sagt Meeresarchäologe Dr. Sean Kingsley. „Aber jenseits der Fantasie wusste niemand, wie diese Seeräuber wirklich lebten, wie ihre Stadt aussah und was mit ihren Schiffen geschah.“
Die Arbeit war riskant: Der Hafen von Nassau ist riesig, die Strömungen gefährlich, und es gibt viele Haie. Doch die Mühe hat sich gelohnt. Neben den Piratenwracks fanden die Taucher auch ein Handelsschiff aus den 1740er Jahren, das mit Weinflaschen und Tonpfeifen beladen war – ein Zeichen dafür, wie Nassau nach dem Ende der Piratenherrschaft wieder zu einem normalen Hafen wurde. Die Pfeifen tragen das königliche Wappen Englands und wurden in London hergestellt. „Nie nie sagen in der Archäologie“, sagt Kingsley. „Wir haben einen Blick unter die Brücke geworfen und waren schockiert, dass noch so viel erhalten war.“
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
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