KI schützt Grauwale vor Schiffskollisionen in der San Francisco Bay
Wärmekameras und KI warnen Schiffe vor Walen – 20 Kollisionen allein 2025 zeigen die Dringlichkeit.

Grauwale sind wahre Reiserekordhalter: Jedes Jahr legen sie rund 19.000 Kilometer zurück, von ihren Nahrungsgründen im kalten Alaska bis zu den warmen Lagunen in Mexiko, wo sie ihre Jungen zur Welt bringen. Doch der Klimawandel verändert diese uralte Route. Die Nahrungsgründe in Alaska werden unproduktiver, die Wale kommen hungrig an der kalifornischen Küste an – und entdecken die San Francisco Bay als improvisierten Imbiss-Stopp. Seit 2018 tauchen sie regelmäßig in der Bucht auf, um dort zu fressen. Das Problem: Die Bucht ist einer der geschäftigsten Häfen der USA, voller Containerschiffe, Tanker und Frachter. Allein im Jahr 2025 wurden mehr als 20 Grauwale durch Schiffsanprall getötet, wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht.
Forscherinnen und Forscher des Benioff Ocean Science Lab, von WhaleSpotter und des Marine Mammal Center haben deshalb ein Frühwarnsystem entwickelt. Es besteht aus Wärmekameras, die die charakteristischen Atemfontänen und Körper der Wale selbst bei schlechtem Wetter oder in der Dämmerung erkennen können. Ein Algorithmus analysiert die Bilder in Echtzeit. Bestätigt ein geschulter Mensch die Sichtung und bestimmt möglichst auch die Art, wird die Information auf der Website Whale Safe veröffentlicht. Dort können Schiffsbesatzungen, die Hafenverkehrsleitung und andere Nutzer die aktuellen Walpositionen abrufen und ihre Routen anpassen.
Das System ist ein Paradebeispiel dafür, wie Technologie helfen kann, den Konflikt zwischen wirtschaftlicher Nutzung und Artenschutz zu entschärfen. Es ist nicht nur ein lokaler Erfolg für die Grauwale, sondern könnte auch als Vorbild für andere Häfen weltweit dienen, in denen Wale, Delfine oder andere Meeressäuger durch Schiffsverkehr gefährdet sind. Die Kombination aus Wärmebildkameras, künstlicher Intelligenz und menschlicher Kontrolle schafft eine verlässliche Datenbasis, die es erlaubt, Schiffe rechtzeitig zu warnen, ohne den Hafenbetrieb lahmzulegen. Für die hungrigen Grauwale bedeutet das: Sie können in der Bucht fressen, ohne dabei unter die Schrauben zu geraten.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
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