Freiwillige retten verletzte Vögel in den USA
Ein Netzwerk von 100 Helfern bringt Vögel in Kliniken – bis zu 6 Stunden Fahrt für einen Kolibri.

In den USA sterben jedes Jahr mehr als eine Milliarde Vögel durch Kollisionen mit Gebäuden. Hinzu kommen Unfälle mit Autos, Stromleitungen und Angriffe von Haustieren. Für verletzte Vögel zählt jede Minute – doch viele Reha-Zentren liegen weit abgelegen. Das Vermont Institute of Natural Science (VINS) behandelt jährlich über 1.000 Wildvögel, aber die Klinik ist oft Stunden entfernt. Deshalb setzt VINS auf ein Netzwerk von rund 100 Freiwilligen, die die Tiere einsammeln und zur Behandlung bringen.
Faith Davis ist eine von ihnen. Sie fährt bis zu sechs Stunden, um einen verletzten Kolibri mit Stoffwechselstörung abzuholen. Einmal wogte sie durch einen Fluss, um einen schwer verletzten Reiher zu bergen. In ihrem Auto hat sie immer Handtücher und Boxen dabei – für Vögel jeder Größe. Die Ausbildung erfolgt online: Vögel mit einem Tuch einfangen, in eine dunkle, belüftete Kiste setzen und möglichst ruhig transportieren, denn Stress kann für kleine Singvögel tödlich sein.
Die Helfer sind nicht nur in Vermont aktiv. Ähnliche Gruppen gibt es von Minnesota bis Hawaii. In Spokane, Washington, legten Freiwillige 2023 insgesamt 5.000 Meilen zurück und reagierten auf 249 Notrufe. Die Arbeit ist nicht immer erfolgreich – nur etwa 40 Prozent der transportierten Vögel überleben. Doch ohne die Freiwilligen wäre die Quote noch niedriger. Die geretteten Tiere werden nach ihrer Genesung an dem Ort freigelassen, wo sie gefunden wurden, und tragen so zur Stabilität der lokalen Populationen bei.
Die Initiative zeigt, wie Bürgerengagement die Folgen menschlicher Eingriffe in die Natur abmildern kann. Wer einen verletzten Vogel findet, kann ihn in eine dunkle, ruhige Kiste setzen und eine Wildtier-Reha-Station kontaktieren. Das Netzwerk lebt von Menschen, die bereit sind, Zeit und Benzin zu investieren – für einen Vogel, den sie vielleicht nie wiedersehen.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
So erzählst du es weiter
„Stell dir vor, du fährst sechs Stunden, um einen Kolibri zu retten. Genau das tun diese Freiwilligen."
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