Gentherapie verjüngt Zellen im Auge gegen Erblindung
Erste klinische Studie am Menschen: Drei Gene sollen geschädigte Sehnerven regenerieren.

Stellen Sie sich vor, eine Spritze ins Auge könnte blinde Zellen wieder jung machen. Genau das testen Forscher jetzt erstmals am Menschen. Die Idee klingt wie Science-Fiction: Drei Gene werden in die Nervenzellen des Auges eingeschleust und schalten dort einen Jungbrunnen an. Die Zellen verhalten sich plötzlich, als wären sie wieder jung – sie teilen sich, reparieren Schäden und wachsen neu. Das Unternehmen Life Biosciences aus Boston hat am 9. Juni 2026 den ersten Patienten mit dieser Gentherapie behandelt. Ziel ist es, den Sehnerv zu regenerieren, der bei Glaukom (Grüner Star) geschädigt wird und sonst nicht heilt.
Die Technik heißt partielle Reprogrammierung. Sie nutzt drei Gene, die im Labor aus erwachsenen Zellen stammzellähnliche Zellen machen können. Der Clou: Die Zellen verlieren ihre Spezialisierung nicht komplett, sondern werden nur „jünger“. Bereits 2020 zeigte der Genetiker David Sinclair von der Harvard Medical School, dass diese Methode bei Mäusen mit geschädigten Sehnerven die Regeneration förderte und sogar die Sehkraft alter Mäuse verbesserte. Life Biosciences hat die Methode an Nagetieren und Affen getestet – ohne schwerwiegende Nebenwirkungen.
Doch die Sicherheit bleibt das größte Fragezeichen. Manche Fachleute befürchten, dass die verjüngten Zellen bösartig entarten könnten. Deshalb haben die Forscher eine clevere Sicherheitsvorkehrung eingebaut: Die Gene schalten sich nur an, wenn der Patient das Antibiotikum Doxycyclin einnimmt. Setzt er es ab, werden die Gene wieder deaktiviert. So lässt sich die Verjüngung genau dosieren. „Diese Strategie gibt uns viel Kontrolle“, sagt Sharon Rosenzweig-Lipson, wissenschaftliche Leiterin des Unternehmens.
Das Auge eignet sich besonders gut für den ersten Test, weil lebensbedrohliche Nebenwirkungen dort unwahrscheinlicher sind als in anderen Organen. In der aktuellen Studie sollen bis zu zwölf Menschen mit Glaukom behandelt werden, später auch Patienten mit einer akuten Sehnerv-Erkrankung namens NAION. Ein Erfolg wäre ein Segen für Millionen Menschen weltweit, die von Erblindung bedroht sind. Langfristig träumt das Unternehmen davon, die Technik auf andere Organe auszuweiten – etwa die Leber. „Wir streben derzeit keine Verjüngung des ganzen Körpers an“, sagt Rosenzweig-Lipson. „Aber wir hoffen, dieses Ziel eines Tages zu erreichen.“
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„Stell dir vor, eine Spritze ins Auge macht blinde Zellen wieder jung. Genau das wurde gerade zum ersten Mal an einem Menschen getestet."
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