Neue Spritze lindert Kniearthrose-Schmerzen für ein Jahr
Eine minimalinvasive Embolisation abnormaler Blutgefäße half 80% der Patienten in einer Studie mit 194 Teilnehmern.

Weltweit leiden über 365 Millionen Erwachsene an Kniearthrose – der häufigsten Form von Gelenkverschleiß. Die Krankheit verursacht nicht nur Schmerzen und Steifheit, sondern schränkt die Beweglichkeit oft so stark ein, dass sie zu einer der Hauptursachen für Behinderungen zählt. Bisher standen Betroffenen vor allem konservative Therapien wie Physiotherapie und Schmerzmittel oder als letzte Option der operative Gelenkersatz zur Verfügung. Doch viele Patienten sind für eine Operation zu jung, zu alt oder aus anderen Gründen nicht geeignet – sie fallen in eine therapeutische Lücke.
Eine neue, minimalinvasive Behandlung namens Genicular-Artery-Embolization (GAE) könnte diese Lücke schließen. Das Prinzip: Bei arthrotischen Knien bilden sich um das Gelenk herum abnormale Blutgefäße, die Entzündungen und Schmerzen antreiben. Bei der GAE führt ein Radiologe einen dünnen Katheter direkt zu diesen Gefäßen und injiziert winzige Partikel, die sie blockieren. Die Partikel bestehen aus einem schnell resorbierbaren Gelatine-Material und lösen sich innerhalb von Stunden wieder auf – doch die beruhigende Wirkung auf das entzündete Gewebe hält an.
Eine jetzt im Fachjournal Radiology veröffentlichte Studie unter Leitung von Dr. Florian Fleckenstein aus Berlin zeigt vielversprechende Ergebnisse. An der Untersuchung nahmen 194 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 69 Jahren teil, die zuvor mindestens drei Monate lang erfolglos mit Standardtherapien behandelt worden waren. Alle erhielten zwischen Juli und November 2024 eine GAE mit den resorbierbaren Mikrosphären. Bei etwa einem Viertel der Teilnehmer wurden beide Knie behandelt. Die Eingriffe verliefen technisch alle erfolgreich; schwere Nebenwirkungen traten nicht auf, lediglich bei 6,7 Prozent der Patienten gab es milde, selbstlimitierende Reaktionen.
Die Schmerzwerte der Patienten fielen schnell und verbesserten sich im Laufe der Nachbeobachtung weiter. Nach sechs Monaten zeigte sich eine signifikante Zunahme der Gelenkfunktion – sowohl im Alltag als auch bei sportlichen Aktivitäten. „Am wichtigsten: Ihre Lebensqualität stieg deutlich“, betont Fleckenstein. Nach zwölf Monaten erreichten 80 Prozent der Teilnehmer eine Verbesserung, die über der sogenannten minimalen klinisch relevanten Differenz lag. Die Forscher werten dies als starken Hinweis darauf, dass GAE nicht nur symptomatisch wirkt, sondern möglicherweise den Krankheitsverlauf selbst verlangsamen kann.
„Für den richtigen Patienten kann das eine dauerhafte Erleichterung durch einen einzigen, minimalinvasiven Eingriff bedeuten – eine sinnvolle neue Option zwischen Spritzen und Gelenkersatz“, erklärt Fleckenstein. Die Studie ist die bislang größte ihrer Art für GAE mit schnell resorbierbaren Mikrosphären. „Das erlaubt uns, mit echter Zuversicht über Sicherheit und Wirksamkeit zu sprechen.“ Die Behandlung ist in Deutschland bereits verfügbar, allerdings noch nicht flächendeckend etabliert. Sollten sich die Ergebnisse in weiteren Studien bestätigen, könnte GAE für Millionen Menschen mit Kniearthrose eine echte Alternative werden – und vielen den Gang zum Chirurgen ersparen.
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„Stell dir vor: Eine Spritze ins Knie, und die Arthrose-Schmerzen sind für ein Jahr weg. Genau das wurde gerade in einer großen Studie bestätigt."
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