Hawking-Strahlung: Einfacherer Prozess entdeckt
Forscher zeigen, dass die Strahlung Schwarzer Löcher direkter entsteht als gedacht – ein Schritt zum Informationsparadoxon.
Schwarze Löcher gehören zu den rätselhaftesten Objekten im Universum. Ihre Schwerkraft ist so stark, dass ab einem bestimmten Punkt – dem Ereignishorizont – nicht einmal mehr Licht entkommen kann. In den 1970er Jahren sagte der Physiker Stephen Hawking voraus, dass Schwarze Löcher dennoch Teilchen abstrahlen, die sogenannte Hawking-Strahlung. Diese Strahlung entsteht am Ereignishorizont, wo sich Teilchen-Antiteilchen-Paare bilden, die normalerweise sofort wieder zerstrahlen würden. Der Ereignishorizont trennt die Partner jedoch voneinander, sodass ein Teilchen nach außen dringen kann. Das Schwarze Loch verliert dadurch Masse und verdampft langsam.
Doch wie genau dieser Prozess abläuft, war bislang unklar. Ein Forschungsteam um den Physiker Ulf Leonhardt vom Weizmann-Institut in Israel hat nun ein sogenanntes Analogon eines Schwarzen Lochs im Labor erschaffen – diesmal mit Licht in Glasfaserkabeln. Indem sie die Kabel mit Lichtpulsen modulierten, erzeugten sie eine Situation, die mathematisch exakt einem Ereignishorizont entspricht. In diesem System untersuchten sie die Entstehung der Hawking-Strahlung und machten eine überraschende Entdeckung: Anders als bisher angenommen, entsteht die Strahlung nicht durch eine komplizierte Kaskade von Prozessen, sondern durch einen direkten, einfachen Wechselwirkungsterm. Das simulierte Gravitationsfeld koppelt direkt an die Teilchen.
Die Forscher konnten auch zeigen, wie die Hawking-Strahlung auf das Schwarze Loch zurückwirkt – auch hier fanden sie einen einfachen, direkten Mechanismus. Bislang sind die Ergebnisse nur für das optische Analogon bestätigt, doch die Wissenschaftler argumentieren, dass die echte Hawking-Strahlung auf dieselbe Weise entstehen könnte. Das wäre ein wichtiger Schritt zur Lösung des Informationsparadoxons: Die Gleichungen der Allgemeinen Relativitätstheorie sagen, dass Information in einem Schwarzen Loch verloren geht, während die Quantenmechanik besagt, dass Information nie verschwindet. Ein besseres Verständnis der Hawking-Strahlung könnte diesen Widerspruch auflösen. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift "Physical Review Letters" veröffentlicht.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
So erzählst du es weiter
„Schwarze Löcher verdampfen – und zwar einfacher als gedacht. Ein Experiment in Israel bringt uns der Lösung eines 50 Jahre alten Rätsels näher."
Magst du solche Geschichten?
Hol dir jeden Morgen eine — kuratiert, belegt, werbefrei. Kein Doomscrolling.
Weiteres aus wissenschaft
KI-Impfstoff gegen Coronaviren besteht ersten Test am Menschen
Ein von KI entwickelter Impfstoff wirkt gegen mehrere Coronaviren gleichzeitig – und schützt sogar vor noch unbekannten Varianten.
Über 1.000 unbekannte Korallenriffe vor Australien entdeckt
Satellitenbild-Überlagerung enthüllt tausende Riffe in trüben Gewässern Nordaustraliens
KI warnt Badegäste an der Ostsee vor gefährlichen Vibrionen
Frühwarnsystem sagt Bakterien bis zu fünf Wochen im Voraus voraus – basierend auf 1.500 Wasserproben