Marathon: Frauen brechen seltener ein als Männer
Auswertung von 870.000 Läufern zeigt: Männer erleben doppelt so oft Leistungseinbrüche – wegen Taktik, nicht nur Kondition.
Wer schon einmal einen Marathon gelaufen ist, kennt das Gefühl: Nach etwa 30 Kilometern wird jeder Schritt zur Qual, die Beine werden schwer, der Kopf leer. Dieses Phänomen nennen Läufer 'hitting the wall' – einen Leistungseinbruch, der das Rennen zur Qual machen kann. Eine neue Studie zeigt nun, dass Männer davon deutlich häufiger betroffen sind als Frauen.
Ein Forscherteam um Aldo Seffrin von der Federal University of São Paulo und Beat Knechtle von der Universität Zürich hat die Daten von rund 870.000 Läuferinnen und Läufern ausgewertet, die zwischen 1999 und 2025 den Berlin-Marathon beendet haben. Das Ergebnis: 17,6 Prozent der Männer erlebten einen starken Einbruch – definiert als eine Verlangsamung von mindestens 20 Prozent in der zweiten Rennhälfte. Bei den Frauen waren es nur 9,7 Prozent. Auf jede Frau mit starkem Einbruch kamen also rund zwei Männer.
Besonders überraschend: Der Unterschied zeigt sich in allen Leistungsklassen. Selbst bei den schnellsten Läufern mit einer Zielzeit unter drei Stunden, bei denen Einbrüche insgesamt selten sind, kommen sie bei Männern rund sechsmal so häufig vor wie bei Frauen (1,42 Prozent gegenüber 0,23 Prozent). Das widerlegt die Annahme, dass Erfahrung und hohe Leistungsfähigkeit automatisch zu einer besseren Renneinteilung führen.
Die Analyse der Zwischenzeiten bestätigt das Bild: Männer laufen weniger gleichmäßig. Während 52 Prozent der Frauen keinen klaren Einbruch im Rennverlauf zeigen, sind es bei den Männern nur 36 Prozent. Auf den letzten fünf Kilometern verlieren Männer durchschnittlich etwa 18 Prozent an Geschwindigkeit, Frauen nur rund 13 Prozent.
Warum genau Männer häufiger einbrechen, bleibt offen. Die Autoren vermuten, dass Unterschiede im Energiestoffwechsel eine Rolle spielen – aber auch die Taktik: Männer neigen offenbar dazu, zu schnell zu starten, was sich später rächt. 'Männer könnten das Risiko eines Leistungseinbruchs verringern, indem sie den Lauf langsamer beginnen und im Laufe des Rennens das Tempo steigern', schreiben die Forscher. Die Studie zeigt: Beim Marathon ist nicht nur die Kondition entscheidend, sondern auch die Fähigkeit, das eigene Tempo richtig einzuschätzen.
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