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Musiktherapie hilft Schlaganfall-Patienten beim Sprechen

In Indien hilft Musiktherapie Schlaganfall-Patienten, Sprache und Bewegung zurückzugewinnen – für umgerechnet 42 Dollar pro 20 Sitzungen.

Ein Schlaganfall kann innerhalb von Sekunden zerstören, was ein Leben lang aufgebaut wurde: die Fähigkeit zu sprechen, sich zu bewegen, am Alltag teilzunehmen. Naresh Shanbhag, ein 53-jähriger Vertriebsprofi aus Bengaluru, erlebte das 2023. Nach seinem Schlaganfall war seine rechte Seite gelähmt, und er konnte kaum ein Wort herausbringen. Seine Ärztin schlug Musiktherapie vor – Shanbhag war skeptisch. Doch schon in der ersten Stunde im Musik-Kognitions-Labor des National Institute of Mental Health and Neurosciences (NIMHANS) war er begeistert. Er begann mit einfachen Rhythmen auf einem Smartphone und steigerte sich zu komplexeren Beats. „Zum ersten Mal seit meinem Schlaganfall fühlte ich ein Erfolgserlebnis bei jeder neuen Aufgabe, die ich meisterte“, erinnert er sich. Die Therapeutin bemerkte, dass er singen flüssiger konnte als sprechen, und ließ ihn Sätze singen. Heute singt Shanbhag seinen Einkaufszettel – jeden Morgen auf dem Weg zum Milchhändler. Seine Sprache ist noch stockend, aber er und seine Frau sind überzeugt, dass die Musiktherapie seinen Fortschritt enorm beschleunigt hat.

Das Labor wird von Shantala Hegde geleitet, Professorin für Neuropsychologie und ausgebildete klassische Sängerin. Sie und ihr Team behandeln Dutzende Patienten pro Monat mit Hirnverletzungen – für umgerechnet etwa 42 Dollar für 20 Sitzungen. „Ich bin in einem staatlichen Krankenhaus, daher sind unsere Gebühren sehr, sehr niedrig“, sagt sie lachend. „In privaten Einrichtungen würde das zehnmal so viel kosten oder mehr.“ Die Therapie hilft Patienten, funktionale Sprache, Koordination und Unabhängigkeit im Alltag zurückzugewinnen. Manche, wie Shanbhag, die die Fähigkeit zu kommunizieren verloren hatten, erholen sich so weit, dass sie ihr tägliches Leben wieder bewältigen können.

Der Schlüssel zur Musiktherapie liegt in der Plastizität des Gehirns – der Fähigkeit, und beschädigte Teile durch Training zu kompensieren. Bereits 1890 beschrieb der Psychologe William James dieses Phänomen. Die moderne Neurowissenschaft bestätigt: Musik aktiviert das gesamte Gehirn, stärkt Verbindungen zwischen verschiedenen Regionen und hilft dem Gehirn, neue Wege zu finden. Rhythmische auditive Stimulation ist eine der häufigsten Techniken: Der musikalische Rhythmus dient als externer Taktgeber, der Bewegungen wie Gehen oder Sprechen strukturiert. Das hilft nicht nur Schlaganfall-Patienten, sondern auch Menschen mit Parkinson, besser und stabiler zu gehen.

Trotz Erfolgsgeschichten wie Shanbhags ist die Musiktherapie noch nicht weit verbreitet. Randomisierte kontrollierte Studien zeigen nur moderate Effekte, und die Ausbildung von Therapeuten – in Indien gibt es etwa 70 – kommt nur langsam voran. Hegde betont, dass die Therapie standardisierte Protokolle braucht, um wissenschaftlich anerkannt zu werden. „Als Kliniker sehe ich bei 100 Fällen, was funktioniert. Aber aus Forschungssicht haben alle unterschiedliche Hintergründe.“ Skeptiker argumentieren, dass die Fortschritte vielleicht einfach daher rühren, dass Musiktherapie Spaß macht und Patienten länger durchhalten als bei der anstrengenden Physiotherapie. Hegde selbst warnt vor „Musiktherapeuten“ mit Online-Zertifikaten: „Echte Musiktherapie erfordert fundierte Ausbildung und Standardisierung.“ Dennoch: Für Shanbhag und viele andere ist die Musiktherapie ein zweites Leben.

Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.

So erzählst du es weiter

„Stell dir vor, du verlierst nach einem Schlaganfall die Sprache – und lernst sie durch Singen wieder. Genau das passiert in Indien."

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