Zurück
gesundheit Deutschland · DE

Parkinson durch Pestizide: Rente und Reha jetzt möglich

Bundeskabinett stuft Parkinson als Berufskrankheit ein – für Landwirte, Gärtner und andere Pestizid-Anwender.

Parkinson ist eine chronische Erkrankung des Nervensystems, die nicht heilbar ist. Sie äußert sich unter anderem durch starkes Zittern bei gleichzeitiger Muskelstarre – Betroffene verlieren zunehmend die Kontrolle über ihren Körper. Lange war bekannt, dass der Kontakt mit bestimmten Pestiziden, also chemischen Mitteln gegen Schädlinge und Unkraut, das Risiko für Parkinson erhöhen kann. Doch erst jetzt hat das Bundeskabinett Ende Mai 2026 die Konsequenz gezogen: Wer im Beruf jahrelang Pestizide eingesetzt hat und an Parkinson erkrankt, kann die Krankheit offiziell als Berufskrankheit anerkennen lassen.

Das bedeutet konkret: Betroffene haben Anspruch auf finanzielle Hilfen, Reha-Maßnahmen und Rentenzahlungen der gesetzlichen Unfallversicherung. Die medizinische Grundlage dafür lieferten Experten des Ärztlichen Sachverständigenbeirats beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Sie hatten bereits im Frühjahr 2024 die Aufnahme empfohlen und ihre Einschätzung im Herbst 2025 noch einmal bekräftigt. Mehrere Studien belegen, dass der berufliche Kontakt mit bestimmten Pestiziden die typischen Symptome der Nervenkrankheit auslösen kann.

Von der neuen Regelung profitieren vor allem Beschäftigte in der Landwirtschaft, im Gartenbau, in der Forstwirtschaft und in der Landschaftspflege. Aber auch wer auf Sportanlagen oder Schienenwegen Pestizide einsetzt, fällt unter den Schutz der neuen Verordnung. Gleiches gilt für Angestellte in der Schädlingsbekämpfung, in der Nutztierhaltung und im Fachhandel für Pflanzen. Sie alle erhalten durch die offizielle Einstufung deutlich mehr Rechtssicherheit.

Der Beschluss war nicht unumstritten. Der Deutsche Bauernverband und die Arbeitgebervereinigung BDA bezweifelten die wissenschaftliche Grundlage und kritisierten den geplanten Grenzwert. Hintergrund war auch die Sorge vor steigenden Beiträgen zur Unfallversicherung durch höhere Behandlungskosten. Die Bundesregierung reagierte mit einem finanziellen Ausgleich: Der zuständigen Landwirtschaftlichen Sozialversicherung (SVLFG) wurden für die Jahre 2025 und 2026 zusätzliche Bundeszuschüsse in Höhe von 20 Millionen Euro zur Senkung der Unfallversicherungsbeiträge zugesagt.

Die Verordnung muss noch durch den Bundesrat – doch Betroffene sollten keine Zeit verlieren. Wer glaubt, durch seinen Beruf an Parkinson erkrankt zu sein, sollte sich sofort an seinen Arzt oder den zuständigen Unfallversicherungsträger wenden. Wichtig zu wissen: Die Anerkennung als Berufskrankheit passiert nicht automatisch. Kranke müssen detaillierte ärztliche Nachweise erbringen und genau belegen, wann und wie sie am Arbeitsplatz mit Pestiziden in Kontakt kamen. Erfahrungsgemäß lehnen Berufsgenossenschaften Anträge beim ersten Versuch häufig ab – eine frühzeitige rechtliche Beratung ist deshalb dringend empfohlen.

Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.

So erzählst du es weiter

„Parkinson durch Pestizide wird jetzt als Berufskrankheit anerkannt – das bringt endlich Rente und Reha für Betroffene."

Der tägliche Lichtblick

Magst du solche Geschichten?

Hol dir jeden Morgen eine — kuratiert, belegt, werbefrei. Kein Doomscrolling.

Weiteres aus gesundheit