Pausen helfen dem Gehirn beim Lernen
Kurze Auszeiten lassen das Gehirn Gelerntes 20-fach beschleunigt wiederholen – und verbessern die Leistung.

Der Pianist Igor Levit, die Turnerin Simone Biles, der Schachspieler Magnus Carlsen – was macht ihre Spitzenleistungen aus? Lange galt die 10.000-Stunden-Regel des Psychologen Anders Ericsson als Antwort: Wer herausragend sein will, muss üben, üben, üben. Doch neuere Forschung zeigt: Die Kunst, Pausen zu machen, ist mindestens genauso wichtig.
Ein Experiment aus dem Jahr 2021 verdeutlicht das: Versuchspersonen sollten eine bestimmte Ziffernfolge auf einer Tastatur so schnell wie möglich eingeben – zehn Sekunden üben, zehn Sekunden Pause, 36 Mal wiederholt. Anfangs verbesserten sie sich rasant, aber nicht während des Übens, sondern direkt nach den Pausen. Hirnscans, sogenannte Magnetoenzephalogramme, zeigten, warum: In den Pausen wiederholte das Gehirn die Bewegungsabläufe im Zeitraffer – rund 20-fach beschleunigt. Je häufiger diese Wiederholung stattfand, desto besser wurden die Probanden.
Dieser Mechanismus heißt in den Neurowissenschaften „Replay“. Lange dachte man, er finde nur im Tiefschlaf statt. Doch Nicolas Schuck, Professor für Kognitive Neurowissenschaften an der Universität Hamburg, bestätigt: „Mittlerweile zeigen viele Studien, dass Replay auch im Wachzustand stattfinden kann – sowohl in längeren Ruhephasen von fünf Minuten als auch in kurzen Unterbrechungen von rund 20 Sekunden.“ Das Gehirn nutzt diese Momente, um neue Informationen ins Langzeitgedächtnis zu überführen, Handlungsoptionen zu bewerten und Muster in scheinbar zufälligen Ereignissen zu erkennen.
Die Psychologin Sabrina Krauss von der SRH-University in Hamm vergleicht das Gehirn mit einer Küche: „Das, womit wir uns kognitiv beschäftigen, sind unsere Einkäufe. Wir stellen sie erst einmal in der Küche ab, bis kaum noch Platz ist. Erst wenn wir eine Pause machen, räumen wir die Einkaufstüten aus und sortieren ihren Inhalt in die Schränke.“ Ohne Pausen bleiben die neuen Eindrücke unverarbeitet – und Fehler häufen sich. Diesen „rest-break effect“ kennt jeder, der schon mal stundenlang Zahlen addiert hat: Nach einer kurzen Auszeit klappt es wieder besser.
Doch Pausen sind nicht nur zum Nichtstun da. Laura Venz, Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Leuphana-Universität Lüneburg, erklärt: „Wenn wir eine Pause einlegen, können wir wieder Ressourcen aufbauen, die wir zuvor verbraucht haben. Wir müssen dazu nicht zwingend nichts tun – es hilft schon, wenn wir einer anderen Aktivität nachgehen, die andere Ressourcen benötigt, also beispielsweise joggen gehen, statt mit dem Kopf zu arbeiten.“ Besonders effektiv sind Pausen in der Natur: Der US-Psychologe Stephen Kaplan zeigte bereits 1995, dass natürliche Umgebungen unsere Aufmerksamkeit fesseln, ohne uns anzustrengen – und so das Gehirn in einen Entspannungsmodus versetzen.
Das sogenannte Default Mode Network (DMN), ein Netzwerk von Hirnregionen, das bei Ruhe aktiv wird, spielt dabei eine zentrale Rolle. Seine Entdeckung vor fast 30 Jahren revolutionierte die Neurowissenschaften. Denn das Gehirn tut nie nichts: Bekommt es keine konkreten Aufträge, wendet es sich anderen Dingen zu – und genau das ist der Schlüssel zu besserem Lernen und mehr Kreativität. Also: Mach mal Pause – dein Gehirn wird es dir danken.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
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„Stell dir vor: Dein Gehirn arbeitet in Pausen 20x schneller als beim Üben. Pausen sind kein Faulenzen, sondern Turbo-Lernen."
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