Rauchstopp senkt Lungenkrebsrisiko – E-Zigaretten nicht
Langzeitstudie mit 4,5 Mio. Menschen zeigt: Umstieg auf Vapes bringt kein geringeres Risiko als Weiterrauchen.

E-Zigaretten gelten vielen als die weniger schädliche Alternative zur Tabakzigarette. Doch eine neue Langzeitstudie aus Südkorea, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Nature Medicine, stellt diese Annahme infrage. Das Forschungsteam um Yeon Wook Kim vom Seoul National University College of Medicine wertete die Gesundheitsdaten von rund 4,5 Millionen Raucherinnen und Rauchern aus, die zwischen 2018 und 2024 am koreanischen Gesundheits-Screening-Programm teilnahmen. Das Ergebnis ist eindeutig: Wer von herkömmlichen Zigaretten auf E-Zigaretten umsteigt, hat ein um mehr als 50 Prozent höheres Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, als jemand, der komplett mit dem Rauchen aufhört. Das Risiko, an Lungenkrebs zu sterben, ist sogar doppelt so hoch. Besonders betroffen sind starke Raucher zwischen 50 und 80 Jahren.
Die Studie ist eine der ersten großen Langzeituntersuchungen, die das Lungenkrebsrisiko durch E-Zigaretten beziffern kann. In den Aerosolen der Vapes finden sich krebserregende Stoffe wie Formaldehyd, giftiges Acrolein, freie Radikale und toxische Metalle. Die gesundheitlichen Gefahren sind also real – auch wenn die Autoren selbst auf Einschränkungen hinweisen: Die Angaben zum Rauchverhalten beruhten auf Selbstauskünften, der Beobachtungszeitraum von maximal sechs Jahren ist relativ kurz, und in manchen Untergruppen waren die Fallzahlen sehr klein. Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg, die nicht an der Studie beteiligt war, betont dennoch: „Auch wenn die Ergebnisse die Gesundheitsrisiken von E-Zigaretten vermutlich überschätzen, erscheint dieses grundsätzliche Muster robust.“
Die Botschaft ist klar: Ein vollständiger Rauchstopp ist die beste Option für die Lunge. Reiner Hanewinkel, Leiter des Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung in Kiel, kritisiert die Werbestrategien der Tabak- und E-Zigarettenindustrie: „Diese Studie entlarvt das als gefährlichen Trugschluss für die Lunge.“ Natascha Sommer, Leiterin der Pneumologischen Ambulanz am Universitätsklinikum Gießen und Marburg, warnt zudem vor den Gefahren für Kinder und Jugendliche und fordert konsequente Zugangsbeschränkungen. Die Experten geben allerdings zu bedenken, dass die Ergebnisse aus Südkorea – die Kohorte bestand zu 94 Prozent aus Männern – nicht ohne Weiteres auf andere Länder übertragbar sind. Weitere Studien in EU-Ländern sind nötig, um das Bild zu vervollständigen. Dennoch stützen die Ergebnisse die Empfehlung der deutschen Leitlinie zur Tabakentwöhnung: Wer aufhören will, sollte dies mit verhaltenstherapeutischer Unterstützung tun, gegebenenfalls ergänzt durch Nikotinersatzprodukte oder Medikamente.
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