Roboter helfen indigenen US-Kindern, ihre Sprache zu retten
Eine indigene Erfinderin baut kleine Roboter, die Kindern die fast vergessene Sprache Anishinaabemowin beibringen.

Jahrzehntelang verfolgte das US-amerikanische Internatssystem für indigene Kinder ein Ziel: die Sprachen der amerikanischen Ureinwohner aus den Familien zu verdrängen. Kinder wurden von ihren Eltern getrennt und dafür bestraft, wenn sie ihre Muttersprache sprachen – mit der Folge, dass manche Sprachen heute nur noch von einer Handvoll Menschen fließend gesprochen werden, andere gar nicht mehr.
Danielle Boyer, Mitglied des Sault-Ste.-Marie-Stammes der Chippewa, erlebte diesen Verlust in der eigenen Familie: Ihre Großmutter zählt zu den letzten fließenden Sprecherinnen ihres Dialekts von Anishinaabemowin, einer Sprachfamilie, zu der auch Potawatomi, Odawa und Ojibwe gehören. In den USA sprechen sie heute weniger als 10.000 Menschen, in Kanada rund 25.000. „Es ist niederschmetternd, das Gefühl zu haben, dass die eigene Sprache verloren gehen könnte“, sagt Boyer. „Man verliert seine Kultur, man verliert eine Art, zu beschreiben, wer man ist.“
Ihre Lösung kam von einer ungewöhnlichen Inspiration: einem sprechenden Kinderspielzeug. Mit 18 Jahren gründete Boyer eine gemeinnützige Organisation und begann, sogenannte SkoBots zu bauen – kleine, schulterhohe Roboter in Form von Waldtieren, verziert mit Mustern indigener Kunst. Kinder programmieren die Roboter, die dann mit vorab aufgenommenem Ton auf Anishinaabemowin antworten: Fragt man einen SkoBot nach dem Wort für Bär, sagt er „makwa“, für Kranich „ajijaak“.
Bewusst verzichtet Boyer dabei auf generative Künstliche Intelligenz: Die Roboter spielen nur echte, geprüfte Sprachaufnahmen ab, keine von einer KI erzeugten Sätze. „Wenn wir unsere Sprache nicht korrekt lernen, sollten wir sie gar nicht lernen“, sagt Boyer, die beobachtet hat, wie Chatbots wie ChatGPT frei erfundene Wörter in Anishinaabemowin ausgeben.
Mittlerweile hat Boyer, heute 25 Jahre alt, Hunderte indigene Kinder in den USA angeleitet, ihren eigenen SkoBot zu bauen und zu benennen. Der zwölfjährige Holden Hoy aus Sault Ste. Marie in Michigan etwa nannte seinen Roboter Sabe, das Anishinaabemowin-Wort für Bigfoot, und stellte ihn beim Wissenschaftswettbewerb seiner Schule vor.
Boyer will fließende Sprecherinnen und Sprecher nicht ersetzen, sondern Kindern Neugier auf ihre Sprache, ihre Kultur und die Technik dahinter vermitteln. Bei Holdens Mutter Jocelyn hat das bereits gewirkt – inzwischen bringt ihr eigener Sohn ihr Wörter der Sprache bei, mit der sie selbst lange gefremdelt hatte. „Die Sprache ist die Kultur!“, sagt Holden.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
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„Eine junge Erfinderin baut Roboter, die Kindern eine fast ausgestorbene Sprache beibringen – programmiert von den Kindern selbst."
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