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wissenschaft Grönland · GL

Seetangwälder transportieren CO2 in die Tiefsee

Forschung zeigt: 8.000 Seetangflöße vor Grönland befördern jährlich Millionen Tonnen Kohlenstoff in den Ozean.

Die Ozeane sind die größten Kohlenstoffspeicher der Erde – und ein Teil dieses Speichers wächst direkt vor unseren Küsten. Große Meeresalgen, die sogenannten Makroalgen, nehmen bei der Photosynthese Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf und bilden dichte Unterwasserwälder. Bisher war unklar, was mit dem gebundenen Kohlenstoff passiert, wenn die Algen absterben. Ein internationales Forschungsteam aus Deutschland, Portugal, Saudi-Arabien, Dänemark und Großbritannien hat nun erstmals den Weg von 8.000 Seetangflößen vor der Küste Grönlands verfolgt.

Mit Hilfe von Satellitenbildern, Computermodellen und Messbojen konnten die Wissenschaftler zeigen, dass die treibenden Algen von Meeresströmungen hunderte Kilometer weit ins offene Meer getragen werden. Wenn das Oberflächenwasser abkühlt, sinkt die dichte Vegetation in die Tiefe – bis zu 200 Meter hinab. Dort zersetzt sie sich langsam, und der Kohlenstoff bleibt für mindestens ein Jahrhundert im Tiefseeboden gebunden. Bisherige Schätzungen gingen von jährlich 4 bis 44 Millionen Tonnen Kohlenstoff aus, die auf diese Weise in die Tiefsee gelangen.

„Unsere Ergebnisse zeigen ein greifbares ozeanisches Förderband, das die produktiven Küstenwälder mit dem Kohlenstoffspeicher der Tiefsee verbindet“, erklärt Prof. Ana Queirós, Meeresökologin am Plymouth Marine Laboratory. Diese natürliche Transport- und Mischungsdynamik sei bisher unterschätzt worden. Die Studie erweitert das Verständnis dafür, wie Makroalgen im globalen Kohlenstoffkreislauf wirken – und wie wichtig ihr Schutz für den Klimaschutz ist.

Die Erkenntnisse kommen zu einem Zeitpunkt, an dem Küstenökosysteme weltweit durch Verschmutzung, Überfischung und Küstenverbauung bedroht sind. Seetangwälder könnten eine natürliche, kostengünstige Lösung sein, um CO2 aus der Atmosphäre zu entfernen – ohne aufwändige Technik. Die Forscher betonen, dass der Schutz dieser Unterwasserwälder nicht nur der Artenvielfalt zugutekommt, sondern auch einen messbaren Beitrag zum Klimaschutz leisten kann. Die Studie ist ein weiterer Beleg dafür, dass die Natur selbst die wirksamsten Werkzeuge gegen die Erderwärmung bereithält – wenn wir sie nur lassen.

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