Spinne katapultiert Ameisen mit Federkraft ins Netz
Die Ballista-Spinne nutzt gespannte Seidenfäden wie eine Schleuder – eine der stärksten biomechanischen Fallen der Tierwelt.

Im australischen Regenwald von Queensland haben Forscher der Universität Greifswald und australische Kollegen eine bemerkenswerte Spinnenart entdeckt. Die sogenannte Ballista-Spinne (Propostira sp.) aus der Familie der Kugelspinnen hat eine raffinierte Methode entwickelt, um Beute zu fangen: Sie baut eine Falle aus gespannten Seidenfäden, die von den Ameisen selbst ausgelöst wird.
Zwei Wissenschaftler verbrachten zehn Tage und Nächte im Regenwald, um das Verhalten der Spinne mit Hochgeschwindigkeits- und Infrarotkameras zu dokumentieren. Etwa 30 Minuten nach Sonnenuntergang beginnt die Spinne mit dem Bau der Falle. Sie spannt mehrere lange Fäden von ihrem Hauptnetz aus und befestigt sie an Ästen oder Blättern. Kurz über den Befestigungspunkten bündelt sie die Fäden zu einem Kegel – ein Vorgang, der bis zu vier Stunden dauert.
Der Kegel lockt vermutlich mit Duftstoffen Asiatische Weberameisen (Oecophylla smaragdina) an, die für ihre Aggressivität bekannt sind. Die Ameisen beißen in den Kegel und heben ihren Hinterleib – ähnlich wie bei Kämpfen mit anderen Kolonien. Durch den Biss wird der Seidenkegel von der Oberfläche gelöst und schwingt mit bis zu 4,4 Metern pro Sekunde ins zentrale Netz der Spinne. Diese wartet, bis ihre Beute vollständig verstrickt ist, bevor sie sie einwickelt.
„Es ist eines der leistungsstärksten bekannten Fangsysteme im Tierreich“, sagt Jonas Wolff von der Universität Greifswald. Die Falle speichere elastische Energie in den gespannten Seidenfäden und setze sie schlagartig frei – ähnlich wie eine vorgespannte Feder. Die dabei erreichten Leistungswerte liegen um mehrere Größenordnungen über dem, was Muskeln erzeugen könnten. Selbst andere Spinnen mit katapultartigen Fangnetzen werden übertroffen.
In allen 35 beobachteten Fällen wurden ausschließlich Ameisen der Art Oecophylla smaragdina gefangen – ein Hinweis auf extreme Beutespezialisierung. Drei andere Ameisenarten, die neben die Kegel gesetzt wurden, reagierten nicht darauf. Die Forscher vermuten, dass die Ballista-Spinne Pheromone auf den Kegel aufbringt, um gezielt Arbeiterinnen dieser Art anzulocken und deren Angriffsverhalten auszulösen.
„Die Entdeckung zeigt, wie weit Spezialisierung in der Natur gehen kann“, so Wolff. Aus dem ständigen Wettstreit zwischen Räuber und Beute sei eine Falle entstanden, die zu den leistungsfähigsten biomechanischen Systemen gehört, die bislang bekannt sind. Die Ballista-Spinne habe mit dem Einsatz einer von der Beute selbst ausgelösten Falle einen bemerkenswerten Weg entwickelt, eine äußerst aggressive Beutegruppe zu überwältigen.
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„Stell dir vor: Eine Spinne baut eine Federfalle, die Ameisen mit 4,4 m/s ins Netz katapultiert. Krass, oder?"
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