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Tägliche Pille verdoppelt Überlebenszeit bei Bauchspeicheldrüsenkrebs

13,2 Monate statt 6,6: Neue Wirkstoffklasse schaltet das lange für unangreifbar gehaltene KRAS-Gen aus.

Bauchspeicheldrüsenkrebs ist eine der tödlichsten Krebserkrankungen. Mehr als die Hälfte der Betroffenen erfahren erst von ihrer Krankheit, wenn der Tumor bereits gestreut hat. Die Überlebenschance für fortgeschrittene Fälle liegt bei etwa drei Prozent – und das seit Jahrzehnten. Der Grund: Ein Gen namens KRAS, das bei über 90 Prozent der Patienten mutiert ist und den Zellen ständig Wachstumssignale sendet. Forscher versuchen seit den 1980er Jahren, dieses Gen auszuschalten – vergeblich. Es galt als „undruggable“, also nicht mit Medikamenten angreifbar, weil es keine Angriffsfläche für Wirkstoffe bietet.

Jetzt hat ein Team des Dana-Farber Cancer Institute in Boston einen Durchbruch erzielt. In einer Studie mit 500 Patienten, deren Bauchspeicheldrüsenkrebs bereits gestreut hatte, testeten sie eine tägliche Pille namens Daraxonrasib. Das Medikament funktioniert wie ein molekularer Kleber: Es verbindet mehrere Moleküle so miteinander, dass sie das KRAS-Protein festhalten und blockieren. Dadurch wird das Wachstumssignal unterbrochen – und zwar unabhängig davon, welche genaue Mutation vorliegt. Frühere Ansätze wirkten nur gegen bestimmte Varianten, dieser nicht.

Die Ergebnisse, vorgestellt auf der Jahrestagung der Amerikanischen Gesellschaft für klinische Onkologie (ASCO) in Chicago, sind beeindruckend: Patienten, die Daraxonrasib einnahmen, lebten im Schnitt 13,2 Monate – fast doppelt so lange wie die Vergleichsgruppe, die nur Chemotherapie erhielt (6,6 bis 6,7 Monate). Zudem waren die Nebenwirkungen geringer. Onkologen vor Ort sprachen von einem „Grand Slam“ – dem höchsten Erfolg im Baseball. Dr. Rachna Shroff von der University of Arizona, die nicht an der Studie beteiligt war, sagte, sie habe beim Lesen der Zahlen geweint: „Ich behandele seit 16 Jahren Bauchspeicheldrüsenkrebs – das ist eine unglaublich bedeutende Studie für unsere Patienten.“

Die Bedeutung reicht über Bauchspeicheldrüsenkrebs hinaus. KRAS-Mutationen treten in etwa einem Drittel aller menschlichen Tumore auf, darunter Lungen- und Darmkrebs. Ähnliche Medikamente werden bereits für diese Krebsarten getestet. Die Ergebnisse aus Chicago liefern den Beweis, dass der Ansatz grundsätzlich funktioniert. „Die Ras-Revolution ist da“, sagte Shroff. „Diese Studie zeigt, dass die gezielte Behandlung von KRAS bei Bauchspeicheldrüsenkrebs machbar und wirksam ist.“

Doch es gibt eine Hürde: Die Hälfte aller Menschen mit Bauchspeicheldrüsenkrebs stirbt innerhalb von drei Monaten nach der Diagnose. Ein wirksames Medikament zu haben, nützt nichts, wenn es die Patienten nicht erreicht. Organisationen wie Pancreatic Cancer UK fordern daher, alles zu tun, damit die vielversprechendsten neuen Behandlungen schnell verfügbar werden. „Mehr Zeit mit denen, die wir am meisten lieben, ist unbezahlbar“, sagte Anna Jewell von der Organisation. Der nächste Schritt ist nun, die Zulassung für Daraxonrasib zu beantragen – und damit Hoffnung für Tausende Patienten weltweit.

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