Thunfischbestand erholt: Fangquoten im Indischen Ozean gelockert
IOTC führt erstmals Quoten für alle tropischen Thunfischarten ein – nach wissenschaftlicher Bestandserholung

Hintergrund
Der Gelbflossenthun (Thunnus albacares) gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Fischarten im Indischen Ozean. Jahrelang galt der Bestand als überfischt, was 2016 zur Verabschiedung eines ersten Wiederaufbauplans durch die Indian Ocean Tuna Commission (IOTC) führte. Die Kommission vereint Küstenstaaten aus Asien, Afrika und Ozeanien sowie Fernwasser-Fischereinationen wie Japan und die Europäische Union. Die Überwachung der Bestände und die Durchsetzung von Fangquoten gestalteten sich jedoch schwierig – immer wieder gab es Vorwürfe illegaler Fischerei.
Was ist passiert
Auf ihrer Jahrestagung im Mai auf den Malediven beschloss die IOTC, die Fangbeschränkungen für Gelbflossenthun zu lockern. Grundlage war die wissenschaftliche Einschätzung des IOTC-eigenen Gremiums, das 2024 erstmals feststellte, dass der Bestand weder überfischt ist noch aktuell übermäßig befischt wird. Nach einer internen Überprüfung wurde diese Bewertung nun von der Kommission angenommen. Konkret einigten sich die Mitglieder auf eine total allowable catch (TAC) und Quoten für den Zeitraum 2027–2028. Damit ist die IOTC die erste regionale Fischereiorganisation für Thunfisch, die für alle drei tropischen Arten – Gelbflossen-, Skipjack- und Großaugenthun – ein Quotensystem eingeführt hat.
Warum das wichtig ist
Die Entscheidung zeigt, dass nachhaltige Fischereiregulierung auf wissenschaftlicher Basis funktionieren kann – ein positives Signal für die globale Meerespolitik. Während Umweltschutzorganisationen zur Vorsicht mahnen und auf die lange Geschichte der Überfischung sowie die Schwierigkeiten bei der Überwachung hinweisen, begrüßen Vertreter der Fischereiindustrie den Schritt als Sicherung des Zugangs zu einem der lukrativsten Thunfischgebiete der Welt. Die Einführung eines Quotensystems für alle drei Arten ist ein struktureller Fortschritt: Sie schafft Planungssicherheit für die Industrie und gleichzeitig einen verbindlichen Rahmen für den Schutz der Bestände.
Ausblick
Die tatsächliche Wirkung der Lockerung wird davon abhängen, wie konsequent die Quoten eingehalten und Verstöße geahndet werden. Die IOTC steht vor der Herausforderung, die Fischerei in einem riesigen Meeresgebiet zu kontrollieren, in dem illegale Fischerei nach wie vor ein Problem darstellt. Sollte sich der positive Trend fortsetzen, könnte das Modell der IOTC als Blaupause für andere Regionen dienen – etwa für den Pazifik oder Atlantik, wo Thunfischbestände ebenfalls unter Druck stehen.
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