Verschollener Bambushai in Madagaskar wiederentdeckt
Forscher fanden vier neue Nachweise des seltenen Hais in Dörfern und Sammlungen – er ist wohl häufiger als gedacht.

Fast 20 Jahre lang galt der Blaugepunktete Bambushai als verschollen – eine Haiart, die nur vor der Küste Madagaskars vorkommt. Doch nun haben Forscher gleich vier neue Nachweise dieser seltenen Art gefunden. Der Hai, der seinen Namen den blau-weißen Punkten auf seinem braunen Körper verdankt, wurde erstmals 1914 anhand eines Exemplars beschrieben, das vor Madagaskar gefangen wurde. Ein zweiter Nachweis folgte 92 Jahre später – ein Foto eines Hais aus dem Jahr 2006. Seitdem blieb die Art weitgehend unbestätigt, bis Forscher im September 2025 damit begannen, Fischmärkte und Anlandestellen in Madagaskar zu untersuchen.
Der Hauptautor der Studie, Tsarahasina Fanomenzana, ein junger madagassischer Praktikant der NGO Madagascar Whale Shark Project, zeigte Fotos von Haien und Rochen, die er in einem Fischerdorf an der Ostküste gesehen hatte, dem Haiexperten und Koautor David Ebert. „Eines der Fotos zeigte den Blaugepunkteten Bambushai“, erklärte Ebert per E-Mail. „Er dachte nicht viel darüber nach, da es andere Bilder von Hai- und Rochenarten gab, die er für interessanter hielt.“ Doch Ebert war „mehr als aufgeregt“, weil die Bilder bestätigten, dass der Hai noch existiert. Er war im Rahmen des Projekts „Lost Sharks“ in Madagaskar, das von der Save Our Seas Foundation unterstützt wird und verschollene Haiarten aufspüren und das Bewusstsein für sie schärfen will.
Die neuen Nachweise stammen aus Befragungen von Fischern und der Durchsicht einer Universitätssammlung. Sie deuten darauf hin, dass die Art möglicherweise häufiger ist als bisher angenommen. Das ist eine gute Nachricht für den Artenschutz, denn viele Haiarten sind durch Überfischung bedroht. Der Blaugepunktete Bambushai ist ein kleiner, harmloser Hai, der in Korallenriffen lebt und für den Menschen ungefährlich ist. Die Studie wurde im Fachjournal Oryx veröffentlicht und zeigt, wie wichtig lokale Forschung und die Zusammenarbeit mit Fischern für die Entdeckung seltener Arten sind.
Das Projekt „Lost Sharks“ hat sich zum Ziel gesetzt, weltweit nach verschollenen Hai- und Rochenarten zu suchen. Solche Funde helfen nicht nur, das Wissen über die Artenvielfalt zu erweitern, sondern auch, Schutzmaßnahmen zu entwickeln. Für Madagaskar, das zu den ärmsten Ländern der Welt gehört, ist der Schutz seiner einzigartigen Meeresbewohner auch wirtschaftlich wichtig – etwa für den Tourismus. Die Wiederentdeckung des Blaugepunkteten Bambushais ist ein kleiner, aber bedeutender Schritt, um die Schätze der madagassischen Meere zu bewahren.
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