Weißstörche kehren nach 600 Jahren nach Mittelengland zurück
In der Region Derbyshire leben erstmals seit 600 Jahren wieder Weißstörche – finanziert mit 300.000 Pfund für den Naturschutz.

Sechshundert Jahre lang gab es in der englischen Grafschaft Derbyshire keinen einzigen brütenden Weißstorch – zuletzt, als König Heinrich VI. im Mittelalter gegen das Herzogtum Bretagne in den Krieg zog. Jetzt kehrt der große weiße Vogel, der in vielen europäischen Ländern als Symbol für Geburt und Glück gilt, in die Region zurück.
Die Naturschutzorganisation Derbyshire Wildlife Trust hat mehrere Störche im Feuchtgebiet Willington Wetlands am Fluss Trent angesiedelt. Zunächst leben die Tiere in einem raubtiersicheren Gehege, das von der Stiftung Celtic Rewilding gebaut wurde, damit sie sich langsam an ihre neue Umgebung gewöhnen können. Die Vögel selbst stammen aus einem ähnlichen Ansiedlungsprojekt im benachbarten Staffordshire.
Finanziert wurde das gesamte Vorhaben mit umgerechnet rund 340.000 Euro (300.000 britische Pfund) von der Veolia Environmental Trust, einer britischen Umweltstiftung. Der gewählte Standort ist kein Zufall: In der Nähe wurden zuletzt wild lebende Störche über dem Fluss beobachtet, und die Hoffnung ist, dass sich diese freien Tiere durch die angesiedelten Artgenossen zum Bleiben und Brüten verleiten lassen.
Der Fluss Trent ist damit gleich zweifach Schauplatz von Wiederansiedlung: Erst kürzlich wurde dort bereits der Biber wieder heimisch gemacht, ein Nagetier, das in der Region seit der Zeit der Magna Carta, der englischen Freiheitsurkunde von 1215, verschwunden war. *"Von diesem naturnahen Gehege bis zur Möglichkeit einer künftigen wilden Population wird jeder Schritt helfen, Feuchtgebiete zu stärken, die biologische Vielfalt zu fördern und Menschen jeden Alters dazu zu inspirieren, wieder eine Verbindung zur Natur vor der eigenen Haustür zu finden", sagt Katie Last, Landschaftsschutz-Beauftragte des Derbyshire Wildlife Trust.
Auch Harvey Tweats, Direktor von Celtic Rewilding, betont die Bedeutung des Projekts: Das Trent-Tal biete durch seine ausgedehnten Feuchtgebiete und ehemaligen Kiesgruben besonders gute Voraussetzungen für die Rückkehr der Art. Historische Funde und alte Ortsnamen rund um die Flussmündung Humber würden zudem belegen, dass Weißstörche früher tatsächlich in der Region heimisch waren.
Die Rückkehr der Störche reiht sich in eine größere Entwicklung ein: In England wurden zuletzt auch erstmals seit 30 Jahren wieder Papageientaucher-Küken an der Südküste gesichtet, während sich die Bestände einer weiteren Vogelart, dem Ziegenmelker, innerhalb von fünf Jahren verdoppelt haben. Ob sich in Derbyshire tatsächlich eine dauerhafte, wild brütende Storchenpopulation etabliert, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Gelingt es, wäre es ein weiterer Baustein in einem größeren britischen Trend, verlorene Arten gezielt in ihre historischen Lebensräume zurückzubringen.
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„600 Jahre lang gab es hier keinen wild lebenden Storch. Jetzt wurden welche angesiedelt – direkt neben zurückgekehrten Bibern."
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