Windkraft-Kabel stören Haie und Rochen
Forscher zeigen: Elektromagnetische Felder beeinträchtigen die Orientierung von Haien und Rochen.

Haie und Rochen sind Meister der Wahrnehmung: Sie besitzen sogenannte Lorenzinische Ampullen – mit einer gallertartigen Flüssigkeit gefüllte Kanäle um Maul und Schnauze, die selbst extrem schwache elektrische Felder erspüren. Damit orten sie Beute, erkennen Feinde und navigieren durch trübes Wasser mithilfe des natürlichen Erdmagnetfelds. Genau diese Fähigkeit könnte ihnen nun zum Verhängnis werden, denn die Kabel von Offshore-Windparks erzeugen ebenfalls elektromagnetische Felder (EMF).
Ein sechsjähriges Forschungsprojekt namens Elasmopower der niederländischen Wageningen University & Research hat diese Wechselwirkung erstmals systematisch untersucht. Die Wissenschaftler veröffentlichten vier Fachartikel, drei weitere befinden sich in der Begutachtung. Erwin Winter, einer der beteiligten Forscher, präsentierte die Ergebnisse im Mai auf der Konferenz Sharks International 2026 in Colombo, Sri Lanka. Die Studien zeigen, dass die künstlichen Felder der Stromkabel das Verhalten bodenbewohnender Haie und Rochen beeinflussen – etwa bei der Jagd, der Wahl ihres Lebensraums oder bei langen Wanderungen.
Die Erkenntnisse sind besonders relevant, weil Offshore-Windparks weltweit rasant ausgebaut werden. Sie gelten als Schlüsseltechnologie der Energiewende, doch ihre ökologischen Nebenwirkungen sind noch wenig erforscht. Die Elasmopower-Studien liefern nun konkrete Daten, die bei der Planung neuer Anlagen helfen können – etwa durch geschickte Verlegung der Kabel oder Abschirmung der Felder. Für die betroffenen Hai- und Rochenarten, von denen viele bereits durch Überfischung bedroht sind, könnte das den entscheidenden Unterschied machen.
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