Wisent-Herde wächst in Aserbaidschan auf 25 Kälber
Aus einem einzigen überlebenden männlichen Wisent wurden in sieben Jahren 25 Wildgeburten – ein Erfolg für die Wiederansiedlung.

Vor sieben Jahren öffneten sich die schweren Holztüren von Transportkisten, und zwölf Wisente, die in Zoos aufgewachsen waren, blinzelten in eine ungewohnte Wildnis. Sie standen an den Hängen des Shahdagh, des Königsbergs im Norden Aserbaidschans – ihrer neuen Heimat. Gemeinsam mit dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen und dem aserbaidschanischen Ministerium für Ökologie und natürliche Ressourcen hatte der World Wildlife Fund (WWF) die Rückkehr der Tiere in den Südkaukasus vorangetrieben, ein Projekt, das auch in Portugal, Großbritannien und Rumänien läuft.
Einst waren die massigen Pflanzenfresser in ganz Eurasien zu Hause, bevor sie durch Jagd und Lebensraumverlust fragmentiert, isoliert und schließlich ausgerottet wurden. Wie bei anderen Tierarten auch hielt ein westeuropäischer Zoo das letzte überlebende männliche Exemplar der kaukasischen Wisent-Population. Er wurde mit mehreren europäischen Wisenten verpaart – Teil einer Wiederansiedlungsinitiative, die 2012 begann und 2019 mit der Freilassung der ersten Tiere ihren Höhepunkt fand.
Im Shahdagh-Gebiet hat der WWF Aserbaidschan die Herde seither langsam begleitet. Bisher sind 25 Kälber in freier Wildbahn geboren worden. „Wir haben jetzt eine historische Chance, unsere Arten wiederherzustellen“, sagte Elshad Askerov, Leiter des WWF Aserbaidschan. Er ergänzte, dass die Umwelt des Shahdagh während der Sowjetzeit stark geschädigt wurde: „Böden und Wälder wurden stark übernutzt, viele Tiere verloren ihre Lebensräume.“
Die Wiederansiedlungsprojekte in Aserbaidschan seien sehr erfolgreich und ein Vorbild für andere Kaukasusländer, so Askerov. Er hoffe, dass die verschiedenen Herden irgendwann aufeinandertreffen und eine große kaukasische Population bilden. Ein Nachbarland – vielleicht Georgien oder Armenien – habe bereits Interesse bekundet, das Projekt zu kopieren.
Wisente sind mehr als nur eine Touristenattraktion: Sie formen den Wald auf eine Weise, wie es nur wenige Tiere können. Ihr zotteliges Fell dient als hervorragender Samenverteiler. Durch ihr Fressverhalten kontrollieren sie das Unterholz und verringern so die Waldbrandgefahr. Ihr Kot bietet Nahrung für Pflanzen- und Insektenarten, und ihr erhebliches Gewicht und ihre Breite zertrampeln die Umgebung so, dass ein lebendiges Mosaik aus Grasland und Wald entsteht, in dem viele verschiedene Arten gedeihen können.
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