Wissenschaft braucht seltsame Ideen für Durchbrüche
GLP-1-Medikamente, CRISPR und mRNA-Impfstoffe entstanden aus unkonventioneller Forschung – doch Budgetkürzungen gefährden künftige Entdeckungen.

Manche der größten medizinischen Durchbrüche begannen mit Fragen, die zunächst absurd klangen. Was hat das Gift der Gila-Krustenechse mit Diabetes zu tun? Warum verteidigen sich Bakterien in einem Joghurtbecher? Und was kann uns Erde von der Osterinsel über Abstoßungsreaktionen nach Transplantationen lehren? Die Antworten auf diese Fragen führten zu Medikamenten gegen Diabetes und Fettleibigkeit, zur Gen-Schere CRISPR und zu einem Mittel gegen Organabstoßung – allesamt Errungenschaften, die Millionen Menschenleben verbessert haben.
Jeff Coller, Professor für RNA-Biologie an der Johns Hopkins University, hat diese Geschichten in einem Gastbeitrag für die New York Times zusammengetragen. Sein Appell: Die USA dürfen die Finanzierung von Grundlagenforschung nicht weiter kürzen. Denn genau diese scheinbar sinnlosen Experimente seien der Nährboden für echte Innovation. Coller selbst forscht seit Jahren daran, wie der Körper seine eigene Boten-RNA abbaut – ein Problem, das lange niemanden interessierte. Dann wurden mRNA-Impfstoffe gegen COVID-19 entwickelt, und plötzlich war genau dieses Wissen entscheidend, um die empfindliche Boten-RNA stabil zu halten.
„Irgendwo in einem unterfinanzierten Labor jagt ein Wissenschaftler einer Frage nach, die sinnlos klingt“, schreibt Coller. „Und ein Team anderswo arbeitet seit einem Jahrzehnt an einem Problem, das noch ein weiteres Jahrzehnt brauchen wird. Niemand kann sagen, ob sie Erfolg haben werden. Aber ein Jahrhundert Erfahrung sagt: Es ist eine gute Wette, Menschen für diese Arbeit zu finanzieren.“
Die Beispiele, die Coller anführt, sind eindrucksvoll. Eine kleine Studie des US-Veteranenministeriums über das Gift der Gila-Krustenechse legte den Grundstein für die heute billionenschweren GLP-1-Medikamente. Bakterien, die sich in einem Joghurtbecher gegen Viren wehren, lieferten die Inspiration für die Gen-Schere CRISPR, mit der sich Erbgut präzise verändern lässt. Und Bodenproben von der Osterinsel enthielten einen Wirkstoff, der heute Organtransplantationen sicherer macht.
Collers Botschaft ist klar: Wer nur nach schnellen, anwendungsorientierten Ergebnissen sucht, riskiert, die großen Entdeckungen von morgen zu verpassen. „Wenn wir aufhören, diese Wette einzugehen, werden wir dafür mit Heilmitteln bezahlen, die niemand vermissen wird, weil niemand weiß, dass sie möglich gewesen wären.“
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
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„Wusstest du, dass Gila-Monster-Gift zu Diabetes-Medikamenten führte? Genau solche seltsamen Ideen brauchen wir."
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